Szene aus der Serie "Dogs of Berlin" mit zwei Männern

  • DOB_Unit_01427_R-1200×800: Netflix

„Dogs of Berlin“: Spannend trotz Klischees

Wenn es nach den Kritikern geht, braucht es keine Fortsetzung. Doch bei Netflix zählen Klicks – und die bekam die Serie. Geht es also weiter?

„Dogs of Berlin“ ist nach „Dark“ die zweite deutsche Eigenproduktion von Netflix und handelt (wie die gehypte Serie „4 Blocks“) von der Berliner Unterwelt. Ein kurzer Überblick für alle, die die erste Staffel, die im Dezember 2018 erschienen ist, nicht gesehen haben: Ein für die deutsche Nationalelf spielender Deutschtürke wird kurz vor dem Länderspiel gegen die Türkei tot aufgefunden. Die beiden Ermittler Kurt Grimmer (Felix Kramer) und Erol Birkan (Fahri Yardim), die unterschiedlicher nicht sein könnten, übernehmen den Fall. Bei den Ermittlungen gegen arabische Großfamilien, Neonazis, Rocker sowie die Wettmafia stoßen die beiden an ihre Grenzen. Besonders Grimmer, der ein Doppelleben führt und eine Neonazi-Vergangenheit hat, bewegt sich immer wieder auf der anderen Seite des Gesetzes. Birkan sieht sich des Öfteren mit seiner alten Heimat, dem Milieu von Kaiserwarte (ein erfundener Stadtteil Berlins, der vermutlich Kreuzberg darstellen soll), konfrontiert.

Autor und Regisseur Christian Alvart bedient sich bei den Figuren etwas zu abgedroschener Klischees. Grimmer wird zum Beispiel immer wieder von seiner Neonazi-Vergangenheit eingeholt und seine Frau ist psychisch labil, was sie mit Alkohol kompensiert. Seine Affäre, die Hartz IV bezieht und in Marzahn wohnt, verdient sich durch Telefonsex etwas dazu. Birkan ist homosexuell und steht mit seinem türkischen Vater in Konflikt, der das nicht akzeptieren will. Weitere Gründe zum Kopfschütteln sind etwa die Darstellung der Neonazis, die eine „Vereinsordnung“ haben und in Bezug auf ihre ausländischen und migrantischen Mitbürger das Wort „Kuffnucke“ benutzen, was irgendwie doch sehr realitätsfern klingt. Oder eine rote Linie, die die polizeifreie Zone innerhalb von Kaiserwarte markieren soll.

Man denkt sehnsüchtig an „4 Blocks“

Nachdem die TNT-Produktion „4 Blocks“ die Tür geöffnet hat für deutsche Serien, die sich mit Bandenkriminalität (genauer: von arabischen Großfamilien) beschäftigen, kam mit „Dogs of Berlin“ die Netflix-Version des Ganzen. Etwas weniger „Tatort“-Einfluss (Christian Alvart drehte zum Beispiel die Til-Schweiger-„Tatorte“) hätte der Serie bestimmt gutgetan. So denkt man beim Anschauen etwas sehnsüchtig an „4 Blocks“, wo alles stimmiger und der Realität näher ist. Einige Figuren wirken teils wie ein Abklatsch der entsprechenden Rollen aus „4 Blocks“.

Doch vor allem die spannende Story, die einen an die zehn Folgen bindet, und die beeindruckenden Bilder lassen trotzdem auf eine zweite Staffel hoffen. Ob es die geben wird, hat Netflix noch nicht verraten. Regisseur Alvart ließ jedenfalls verlauten, dass er sich schon vier Staffeln ausgedacht habe.

Kategorien Film & Fernsehen Medien Spreewild

Ich bin der Lukas und 18 Jahre alt. Ich schreibe gerne Artikel, am liebsten über Fußball, weil ich mich dafür brennend interessiere. Ich habe eine Dauerkarte bei Hertha BSC und gehe jedes zweite Wochende, bei einem Heimspiel, ins Stadion.