Aniko macht gerade ein Erasmus-Semester. Hier erklärt sie Schritt für Schritt, wie genau das funktioniert.

In Teil 1 unserer Serie „So geht Erasmus“ beschäftigen wir uns mit dem Papierkram, der mit Erasmus verbunden ist. In Teil 2 geht es um die Wohnungssuche und in Teil 3 ums Koffer packen. Teil 4 befasst sich mit der gedanklichen Vorbereitung und dem Abschiednehmen. Wie man gut ankommt und sich vor Ort organisiert, steht in Teil 5. Teil 6 dreht sich darum, Kontakte und Freundschaften aufzubauen – und zu halten. Und zum Schluss, in Teil 7 (coming soon!), erklärt Aniko wie man die schönen Erinnerungen am besten aufbewahrt.

Qualität statt Quantität

Kontakte knüpfen gehört zu den einfachsten und gleichzeitig schwersten Aufgaben während eines Erasmus-Aufenthaltes: Die zahlreichen Willkommensveranstaltungen machen es leicht, auf andere Studenten zu treffen – dafür ist es umso schwerer, diese neuen Verbindungen aufrecht zu erhalten.

Besonders in den ersten Wochen scheint man zehn neue Leute am Tag kennen zu lernen. Dazu zählen die neuen Mitbewohner, Kommilitonen aus den Lehrveranstaltungen, Tutoren und Buddys, aber auch Mitarbeiter und Dozenten der Universität. Sich all die Namen und Gesichter zu merken, wäre zu viel verlangt. Wer beim dritten Treffen noch einmal höflich nachfragt, wird nicht schräg angeguckt.

Keep in mind: Es ist unmöglich, mit allen Studenten der Fachschaft befreundet zu sein. Bald findet man sich in zahlreichen WhatsApp-Gruppen wieder und filtert heraus, welche Telefonnummern man behalten möchte, bevor man die Massenabfertigung deaktiviert.

„Wer beim dritten Treffen noch einmal höflich nachfragt, wird nicht schräg angeguckt.”

Erasmusstudenten merken ziemlich schnell, dass Kommilitonen kommen und gehen – auf Partys, in Seminaren, im Sportclub und im Uni-Chor. Und gerade deshalb sollte man sich keinen Druck machen, mit den ersten fünf Gesprächspartnern auf der Einführungsveranstaltung die Freundschaft fürs Leben aufbauen zu wollen. Über die Wochen und Monate merkt ihr schnell genug, wer mit euch auf einer Wellenlänge ist und wer nicht.

Dabei wird auch der Zusammenprall unterschiedlichster Sprachen und Kulturen deutlich. Manche Vorurteile gegenüber anderen Nationalitäten werden sich bestätigen, andere widerlegen. Habt keine Angst davor, am Ende eures Erasmus-Aufenthaltes das Land zu verlassen, ohne die Erlebnisse mit Freunden aus aller Welt gesammelt zu haben, von denen alle sprechen, wenn sie von einem Austausch zurückkehren.

Die Austausch-Ersatzfamilie

Es ist wichtig, dass ihr offen für Neues seid, neugierig und wissenshungrig. Sowohl in Bezug auf die Kultur, die euch erwartet, als auch die, die andere Studenten mitbringen. Nehmt an Themenabenden teil und trefft Einheimische. Oft bieten Studentenverbindungen auch landestypische Kochabende an.

Um aus der Blase der Austauschstudenten auszubrechen, solltet ihr die neue Stadt auch mal verlassen und durchs Land reisen. Lasst euch Tipps geben, recherchiert im Internet oder reist am besten mit einem Einheimischen umher. Das muss nicht einmal teuer sein, wenn ihr in Fernbusse und Hostels investiert.

Durch die vielen Möglichkeiten, die sich im Uni-Alltag und eurer Freizeit ergeben, werdet ihr schnell Anschluss finden und bald eine kleine „Ersatzfamilie“ aufbauen. Egal, ob ihr ein halbes oder ganzes Jahr im Ausland verbringt, ihr werdet definitiv mit neuen Kontakten zurückkehren.

 

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