Kino Colosseum

Mit der Schließung des Kinos Colosseum endet ein Stück meiner Kindheit

Viele Stunden hat unsere Autorin im Colosseum verbracht. Das Traditionskino hat ihr Heranwachsen begleitet. Nun ist es für immer geschlossen. Was bleibt?

Vor etwa einer Woche schlenderte ich mit einer Freundin ganz zufällig die Schönhauser Allee entlang. Und plötzlich stand ich vor dem Colosseum. Grau, verlassen, starr. Der Schriftzug über dem Eingang leuchtet nicht mehr. Die immer so bunten Filmplakate sind verschwunden, die Türen abgeschlossen. Es bewegt sich nichts mehr in diesem Gebäude. Ich war schockiert.

Dabei hatte das Colosseum im Prenzlauer Berg doch alles, was ein gutes Kino braucht. Das fast 100 Jahre alte unter Denkmalschutz stehende Gebäude hatte Ausstrahlung. Eingerichtet wurde mit Stil und Sinn für Ästhetik. Die Lage war perfekt. Filme aller Genre wurden abgespielt. Die Preise waren fair. Das Popcorn lecker.

Die Schließung hat mich härter getroffen, als ich es erwartet hätte. Das liegt wohl daran, dass ich viel Zeit dort verbracht habe in den vergangenen Jahren. Bei „Fack ju Göhte 3“ war ich mit einer Freundin, die ich viel zu selten gesehen habe. Der Abend war nicht außergewöhnlich, aber wunderschön. Bei „Doctor Sleeps Erwachen“ mussten mein Freund und ich lachen und lachen. Wir haben später erst realisieren können, dass wir hätten Angst haben sollen. Bei „Die Unglaublichen 2“ kam in der Vorschau ein animierter Kurzfilm, der mich zu Tränen rührte. Es ging um eine Mutter, die lernen musste, ihren Sohn ziehen zu lassen. Bei „Nothing like a Dame“ hat mich die Echtheit der vier großen Schauspielerinnen sprachlos gemacht. Besonders Maggie Smith hat mit ihrer Art verzaubert. Bei „The Circle“ ist mein Herz in der Filmmitte gefühlt stehen geblieben. Es ist selten, dass mich Filme so überraschen können.

Corona hat das Kino erst zum Erliegen gebracht und mit den Wochen aufgefressen. Während andere Lichtspielhäuser wieder geöffnet haben, bleibt das Colosseum zukunftslos. Ein Bürokomplex ist dort die neue Zukunft. Hoffentlich bleibt das ein Einzefall. Ein weiterer Verlust eines so tollen Hauses wäre schwer. Zu sehr liebe ich das Kino.

Kategorien Corona-Pandemie Film & Fernsehen Instagram Kultur Medien Weggehen Zwischendurch

Auf spreewild.de berichten wir über alles, was uns bewegt – über Schule, Politik und Freizeit, Liebesglück und -kummer oder den Schlamassel mit der eigenen Zukunft. Wir bieten Hintergrundgeschichten zu den Artikeln, die wir auf der Jugendseite veröffentlicht haben, stellen Fotos und Videos ins Netz. Dazu gibt es die Fotoserien der Jugendredaktion, Musik-, Buch- und Filmbesprechungen sowie all die Fragen, die uns die Prominenten jede Woche stellen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.