Ein Haus GmbH Camelot Europe in Berlin Alt-Lichtenrade
Ein Haus der GmbH Camelot Europe in Berlin Alt-Lichtenrade

Leben und arbeiten am selben Ort: Hauswächter in Berlin

Mit Hauswächtern bringt eine niederländische Firma flexible Mieter und leer stehende Gebäude zusammen – auch in Berlin

Eine günstige Wohnung in Berlin zu finden, gleicht seit Jahren einem Ding der Unmöglichkeit. Und das, obwohl es Leerstand gibt. Diese Lücken füllt unter anderem Camelot. Die Firma kommt aus den Niederlanden, wo Hausbesetzungen lange legal waren. Wer also ein unbewohntes Gebäude besaß, lief Gefahr, dass es sich andere schnappten. Und weil in den Niederlanden gefühlt für jedes Problem eine kreative Lösung gefunden wird, entstand die Idee der Hauswächter: Menschen, die für wenig Geld in einem Gebäude leben und gleichzeitig darauf aufpassen. Wir haben Karsten Linde, bei Camelot zuständig für Marketing und Geschäftsentwicklung, gesprochen und uns das Modell erklären lassen.

Was ist das Konzept? Und welche Gebäude brauchen solchen Wachschutz?
Es geht darum, Gebäude in der vorübergehenden Zeit des Leerstandes zu schützen. Das können normale Wohngebäude sein, aber auch ganz ungewöhnliche Sachen, so wie Schulen oder Verwaltungsgebäude bis hin zu Schlössern oder Bahnhöfen. Die Grundidee ist, dass kriminelle Vorfälle wie Einbruch oder Vandalismus durch diese Nutzung verhindert werden. Für die jeweiligen Gebäude suchen wir dann sogenannte Hauswächter. Das sind Menschen, die einzelne Räume des Gebäudes vorübergehend nutzen.

Wie wird man Hauswächter?
Das ist relativ einfach: Es gibt ein kurzes Bewerbungsverfahren, das in der Regel über unsere Website erfolgt. Dann gibt es ein persönliches Interview und die Möglichkeit, Fragen für beide Seiten zu klären. Und dann kann man beginnen.

Wer bewirbt sich bei Ihnen als Hauswächter?
In den Studienstädten sind tatsächlich immer viele Studierende dabei. Man muss sich eben der Rahmenbedingungen bewusst sein. Der Vertrag hat für beide Seiten eine vierwöchige Kündigungsfrist, sodass man zwar die Perspektive hat, lange in einem Gebäude bleiben zu können. Aber es gibt eben keine vereinbarte Dauer, keine Sicherheit. In Studentenstädten sind etwa zwei Drittel unserer Hauswächter Studierende.

Schlägt sich eine angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt in Ihren Bewerbungszahlen nieder?
Das ist tatsächlich so. Das Konzept funktioniert grundsätzlich überall, also auch auf dem Land oder abseits von großen Städten haben wir Gebäude. Aber in Städten mit einem sehr angespannten Markt haben wir tatsächlich schneller und eine größere Anzahl von Anfragen.

Kommt es auch vor, dass mehrere Hauswächter einziehen?
Das ist sogar ganz oft der Fall. Letztendlich geht es ja immer darum, eine regelmäßige Präsenz sicherzustellen. Unsere Hauswächter gehen ihrem normalen Leben nach und sind nicht vor Ort, wenn sie arbeiten, einkaufen oder an der Uni sind. Daher ist es bei einem größeren Bürogebäude sehr sinnvoll, wenn wir mehrere Hauswächter haben.

Sie treten nicht als klassischer Vermieter auf. In welcher Position sehen Sie sich auf dem Wohnungsmarkt?
Wir sind Dienstleister im Bereich der Immobilienwirtschaft. Gerade zu Semesterbeginn sind die Anfragen natürlich höher und letztendlich bieten wir ein gutes Mosaiksteinchen, um diese Probleme ein wenig erträglicher zu machen. Wir können sie nicht lösen, aber wir können in Gebäuden, die sonst ungenutzt bleiben würden, vorübergehende Unterkünfte möglich machen. Das leistet einen kleinen Beitrag, was auch manchen Eigentümern durchaus wichtig ist.

Haben Sie schon negative Erfahrungen mit Hauswächtern gemacht?
Das ist bis jetzt noch nicht passiert. Man muss sich natürlich der Regeln bewusst sein. Das klären wir immer vorher, zum einen, indem wir mit den Interessenten reden. Zum anderen ist das natürlich im Vertrag dokumentiert. Wir erwarten von den Hauswächtern zum Beispiel, dass sie an fünf von sieben Tagen tatsächlich im Gebäude sind. Wenn sie länger weg sein wollen, müssen sie uns informieren. Außerdem müssen sie auf Partys oder Kerzen verzichten oder sie zumindest vorher anmelden. Es kann natürlich nicht sein, dass das halbe Semester Samstagnacht um zwei im Großraumbüro eine schöne Party feiert. Und sie sollten sich auch der Tatsache bewusst sein, dass wir regelmäßig kontrollieren, ob das, was wir vereinbart haben, auch tatsächlich umgesetzt wird.

Infos zu den Hauswächtern:
In Berlin gibt es aktuell keine Gebäude, für die ein Wächter gesucht wird. Das heißt aber nicht, dass es gar keine Hauswächter in Berlin gibt, erklärt Linde. Viel Zuzug und der steigende Bedarf an Wohnraum für Geflüchtete haben dafür gesorgt, dass deutlich weniger Hauswächter in Berlin gebraucht werden. Im Westen Deutschlands, in Belgien und Großbritannien sowie den Niederlanden ist das Modell sehr verbreitet und es gibt viele Angebote.

Beitragsbild: Ein Haus der GmbH Camelot Europe in Berlin Alt-Lichtenrade, (c) Camelot Europe

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„Wenn Sie Journalistin werden wollen, sind Sie in diesem Studiengang falsch“, hörte ich im ersten Semester nicht nur einmal. Trotzdem habe ich mittlerweile, mit 22, meinen Abschluss – und arbeite stetig daran, den Zweiflern das Gegenteil zu beweisen. Denn das Schreiben lasse ich mir nicht mehr wegnehmen. Es ersetzt für mich rauschzustandsauslösende Substanzen, es ist mein Ventil, wenn die Gedanken zu laut schreien und kein Platz für ekstatisches Tanzen ist. Schreiben kann ich über all das, wonach niemand fragt, was im Gespräch niemand von mir wissen will. Am spannendsten ist aber, anderen Menschen zuzuhören und ihre Geschichte zu erzählen.