Achselhaare
Föhnen statt abrasieren
Klartext

Das haarige Thema der Köperbehaarung

Mit den steigenden Temperaturen geht dieser Tage erneut eine heiße Debatte einher: rasieren oder nicht rasieren? Dabei sollte die Frage, die man sich stellen sollte, ganz anders lauten. Ein Kommentar.

Von Kristina Vasilevskaja

Es ist heiß geworden in Berlin und anderswo. Als Reaktion auf die steigenden Temperaturen zeigen die Berliner wieder mehr Haut – rasierte und unrasierte. Jene, die zu letzterer Gruppe gehören, haben natürlich nicht viel Arbeit. Kurze Klamotten an. Fertig. All jene, die Achsel- und Beinbehaarung hingegen nicht mögen – oder nicht zeigen wollen, dass bei ihnen die Haare nicht nur auf dem Kopf wachsen – kommen indes ins Schwitzen. Rasieren, epilieren, wachsen – Hauptsache, weg mit den Haaren. Aber warum überhaupt?

Bei der Körperbehaarung endet das Selbstbewusstsein

Zeigen, dass man auch nur ein Mensch ist – das ist in Bezug auf Körperbehaarung ein heikles Thema. Dabei sollte die Entscheidung, ob man sich rasiert, doch eigentlich eine ganz persönliche sein. Ist sie aber nicht! Was könnten die anderen denken? Finden sie mich vielleicht abstoßend, wenn ich alles wachsen lasse?

Der Feminismus hat bereits viel erreicht. Wir gehen für Gleichberechtigung demonstrieren, für faire Löhne, gegen häusliche Gewalt und, und, und. Warum sind wir dann, wenn es um unsere Körperbehaarung geht, so wenig selbstbewusst? Warum greifen wir bei den ersten Stoppeln zum Rasierer? Um „schön“ zu sein? Und gesellschaftlich anerkannt zu werden? Irgendwie auch schade, oder?

Der Fotograf Ben Hopper lobpreist die Körperbehaarung und zeigt mit seinen Aufnahmen, dass Frauen schön sind, so wie sie eben sind. Haare verunstalten uns nicht. Zahlreiche Communities und feministische Kampagnen wie „beauty_redefined“ oder „beyondbeautiful“ setzten sich schon lange dafür ein, dass Mädchen und Frauen sich endlich mehr lieben lernen und in ihrem Körper wohlfühlen.

Wer will eigentlich, dass man sich rasiert?

Nun kann man natürlich sagen, dass man sich rasiert, weil man sich ohne Haare einfach selbst besser gefällt. Das ist absolut ok! Oder weil man es hygienischer findet. (Wobei hierzu zu sagen ist, dass das durchaus paradox ist. Denn vor allem unsere Achselhaare schützen uns vor Mikroben und Bakterien. Rasieren wir diese Schutzfunktion ab, ist es wahrscheinlicher einen stärkeren Geruch beim Schwitzen abzugeben.) Dennoch ist das durchaus eine andere Sichtweise. Eine Sichtweise, die ich vollends akzeptieren kann.

Wenngleich es auch dann sinnvoll ist, kritisch zu hinterfragen, warum man sich so schöner findet. „Denke wirklich ich so? Oder denke ich das, weil andere vermeintlich so denken?“ Geschieht es aus einem sozialen Zwang heraus? Unterbewusst? Will man sich rasieren, weil die Gesellschaft will, dass man sich rasiert? Wer diese Frage mit „Ja“ beantwortet, solltest sich überlegen, ob es der Aufwand wert ist. Die Angst zu überwinden und das Rasieren zu pausieren um zu beobachten, wie man seinen Körper dann wahrnimmt, ist ein großer Schritt, der sich lohnt. Wer die Fragen mit „Nein“ beantwortet, also einfach keine Lust auf Körperhaare hat – bitte!

Nichts ist verboten, darum geht es im Feminismus. Es ist blödsinnig zuerst gegen Vorschriften zu rebellieren um dann wieder neue aufzustellen. Macht einfach worauf ihr Lust habt, ohne Angst oder Scham.

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