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Interview

Prepper Benjamin Arlet: „Hamsterkäufe zeigen, dass wir auf Krisen nicht vorbereitet sind“

Die aktuelle Corona-Pandemie zeigt, dass die Menschen in Krisensituationen das Bedürfnis haben, sich Vorräte anzulegen. Für Prepper ist die Krisenvorsorge ganz normaler Bestandteil ihres Lebens. Wir haben einen getroffen und mit ihm über „Hamster-Käufe“, Vorräte und den schlechten Ruf seiner Szene gesprochen.

Von Lisa-Marie Henle

Die Prepper-Szene wird in Deutschland immer größer. Dabei kommt der Begriff Prepping vom englischen Wort „to prep“, was mit „vorbereiten“ übersetzt werden kann. Teil der Prepper-Szene ist Benjamin Arlet aus Berlin. Der 29-Jährige interessiert sich seit 2016 für das Thema und wurde dabei, unter anderem, durch Marc Elsbergs Bestseller „Blackout“, einem Roman über einen europaweiten Stromausfall, inspiriert. Heute organisiert der Berliner mit dem Veranstalter SurviCamp Informationsevents und bietet Prepping-Kurse an. Doch was hat es damit überhaupt auf sich? Und ist das Thema zu Zeiten des Corona-Virus aktueller denn je? Wir haben Benjamin zum Interview getroffen.

Hallo Benjamin, aufgrund der derzeitigen Corona-Pandemie sind in vielen Supermärkten Nudeln und Konserven ausverkauft. Würdest du sagen, das ist schon ein Art Prepping?

Jaein. Natürlich gehört es zur Krisenvorsorge, sich Nahrungsmittel, Wasser und Ausrüstung anzuschaffen. Ausverkaufte Regale sind aber nicht so sehr Vorsorge sondern eher eine verspätete Reaktion mitten in der Krise. Oder anders gesagt: Das ist die Auswirkung davon, dass nicht alle Menschen Krisenvorsorge als normalen Bestandteil ihres Lebens verinnerlicht haben. Denn wenn ich auf so eine Situation schon vorbereitet wäre, müsste ich ja jetzt nicht mehr groß einkaufen gehen.

Du bist ja sicher vorbereitet. Wie lang könntest du in Quarantäne zu Hause ausharren?

Einen Monat würden wir auf jeden Fall durchkommen. Das aber nur unter der Voraussetzung, dass der Wasserhahn noch funktioniert. Unser Wasser wäre nach einer Woche schon alle. Für die Zeit danach habe ich Wasserfilter und Reinigungstabletten, mit denen ich selbst Trinkwasser herstellen kann. Wasser-, Strom- oder Gasausfälle sind bei einem Epidemie- oder Pandemie-Szenario ja aber eher nicht zu erwarten.

Benjamin Arlet: Survival-Trainer, Geschäftsführer, Mitgründer von SurviCamp

Man kann dich also als richtigen Prepper bezeichnen?

Das kommt darauf an, was man damit meint. Wenn mich jemand als Prepper bezeichnet und dabei das Bild von jemandem im Kopf hat, der mit Schrotflinte und Konservendose im Keller sitzt und sich darüber freut, dass bald eine Krise kommt und alles schlechter wird, bin ich kein Prepper. Geht es aber darum, dass sich jemand Gedanken über Ereignisse macht, die den Alltag unterbrechen oder verändern können und man sich darauf mit Aneignung von Techniken, Vorräten und Wissen vorbereite – ja, dann bin ich ein Prepper.

Und diese andere Art von Preppern – was sind das für Leute?

Ich bin immer vorsichtig, wenn ich das Gefühl habe, dass es keine gesunde Beschäftigung mit dem Thema ist und etwas anderes dahintersteckt. Das kann zum Beispiel eine konkrete Ideologie sein, dass die Welt bald untergeht oder das Thema politisiert wird. Häufig geht das dann in eine rechte Richtung. Auch ist es für mich eine rote Linie, wenn sich jemand auf eine Krise freut und dann am liebsten versuchen würde, in dieser Situation Macht an sich zu reißen. Solche Leute verbinde ich nicht gern mit dem Thema Prepping.Für mich ist ein Prepper einfach jemand, der für sich und in seinem Umfeld Krisenvorsorge betreibt.

Was gilt denn dann alles als Krisenvorsorge?

Ich betrachte alles, was die Regeln des Alltags für eine Zeit lang außer Kraft setzt, als Krise. Das kann, ganz groß, die Wirtschaftskrise sein oder genauso gut ein kleineres Ereignis, wenn zum Beispiel meine Wohnung brennt oder ich Erste Hilfe leisten muss. Das ist dann eine kleine Krise, aber auch hier kommt es für mich darauf an, dass ich vorbereitet bin und weiß, was zu tun ist. Ein Beispiel ist da eben auch die aktuelle Corona-Krise.

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