Allein kann man die Klimakrise nicht stoppen. Aber vielleicht gemeinsam?

Junge Klimaaktivisten wollen von Berlin aus die Welt verändern

Sie wollen nicht weniger als die Welt verändern. Wie das klappen könnte, diskutieren gerade 60 junge Menschen in Berlin. Wir durften ihnen zuhören.

„Why do we live in this shitty consumer society?“, schreit ein junger Mann auf der improvisierten Bühne, während nur wenige Schritte neben ihm eine Russin auf einen Boxsack mit dem Abbild des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán einschlägt. Am anderen Ende des Raums füllt sich langsam das „Was macht dich traurig?“-Moodboard mit Begriffen wie Hypokratie, Korruption und Abbildungen von CO₂ ausstoßenden Flugzeugen. Im Garten debattieren ein Nigerianer und ein Pakistani über Klimapolitik.

Noch bis morgen diskutieren 60 junge Menschen aus aller Welt in Berlin über den Klimawandel. Das zehntägige „Youth Activist Camp 2019“ wurde von den Young Utopi­ans ins Leben gerufen. Hinter dem Verein stehen Luca, Lisa Leonie, Aaron und Céline, alle Anfang zwanzig und gebürtige Berliner. Sie vereint ein Ziel: die Welt zu verändern. „Alleine können wir die Waldbrände und das Gletscherschmelzen natürlich nicht stoppen“, sagt Lisa Leonie. „Aber wir können junge Menschen aus aller Welt zusammenbringen“, um gemeinsam über die Probleme des Planeten zu diskutieren und Lösungen zu finden. Das Camp soll dabei helfen.

„Es ist hart zu spüren, was strukturelle Gewalt bedeutet. Als Inhaber eines deutschen Passes hat man davon keine Ahnung.“

Luca von Young Utopians

Große organisatorische Erfahrungen haben die vier nicht. Von der Gründung des Vereins über die Promotion der Veranstaltung in den sozialen Medien bis hin zur Organisation einer Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung lag alles in acht unerfahrenen Händen. Mit der Zeit wurden die Young Utopians immer bekannter. Zum Bewerbungsschluss für das geplante Camp waren ganze 7 000 Bewerbungen eingegangen.

Problemlos lief die Organisation jedoch nicht ab. Die erste Runde der Crowdfunding-Kampagne scheiterte und verschiedenste Behörden und Botschaften behinderten die Pläne. Von 30 ausgewählten internationalen Teilnehmern blieb zahlreichen das entscheidende Visum verwehrt. „Es ist hart zu spüren, was strukturelle Gewalt bedeutet. Als Inhaber eines deutschen Passes hat man davon keine Ahnung“, erzählt Mitorganisatorin Luca. Doch nach vielen Telefonaten und Stunden vor dem Computer konnte das Camp stattfinden. „Und wenn wir mit Angela Merkel hätten telefonieren müssen – es gibt keinen Schritt, den wir nicht gegangen wären.“

Dank dieses Eifers kann nun auch der 21-jährige Folajimi aus Nigeria den anderen 34 Teilnehmern von seinem Projekt berichten. In seiner Heimat hat er eine Firma gegründet, die aus alten Plastikresten Möbel baut und verkauft. In Workshops und Vorträgen von Organisationen wie „Fridays for Future“ bekommt er selbst verschiedene Denkanstöße mitgegeben, damit er und seine Mitstreiter selber aktiv Projekte gestalten und planen können. Konkrete Lösungen sollen beim abschließenden Kiezfest vorgestellt werden. Und danach? Die Teilnehmer wollen in Kontakt bleiben, ein Netzwerk junger internationaler Aktivisten gründen.

Lisa Leonie blickt auf den bunten Haufen diskutierender Jungaktivis­ten vor sich. „Wow! Dafür hat sich jede Stunde Arbeit gelohnt.“

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Der kuriose Briefmarkensammler in der Bibliothek oder ein mal zu Späßen aufgelegter Busfahrer – es sind die kleinen wunderbar skurrilen Alltagsgeschichten unserer Großstadt, die ich mit meinen Worten einfangen will. Ich, eine waschechte 18-jährige Berlinerin, die neben dem geschriebenen Wort auch ein großer Fan von guter Musik und Woody-Allen-Filmen ist. Schreiben bedeutet für mich reflektieren, verstehen und sich einfach mal fallen zu lassen, ganz nach Frau Lindgrens Devise: „Man muss so schreiben, dass es für einen selbst eine Freude ist, sonst kann es auch für andere keine Freude sein.“