Die Jugendredaktion verleiht wieder einmal den Goldenen Affen für die peinlichsten Taten des vergangenen Jahres.

Kein Jahr ohne Facepalm und Fremdschämen. Gerade in unserer sensationsgeilen Medienwelt ist auf Peinlichkeiten und Skandale aller Art Verlass. Während die einen einfach nur lustig oder schnell wieder vergessen waren, gab es im Jahr 2018 leider genügend beschämende Aktionen, an die wir uns auch rückblickend noch erinnern. Unser – nennen wir es „Worst-of“ – wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten.

Kollegah verachtete Menschen

Er stand 2018 im Mittelpunkt aller Debatten um den Echo, den bis dahin wichtigsten deutschen Musikpreis. Die Tatsache, dass Kollegah gemeinsam mit seinem Mitstreiter Farid Bang nicht nur den Preis verliehen bekam, sondern ebendiese alljährliche Preisverleihung auch zu Fall brachte, verschaffte ihm genau das, wovon er die ganze Zeit geträumt hat: mediale Aufmerksamkeit aberwitzigen Ausmaßes. Doch die nutzte er nicht, um sich endlich von seinen menschenverachtenden Stereotypen zu distanzieren, sondern um weiterhin gegen alles und jeden zu schießen, der oder die nicht zu seinem Männlichkeitsgehabe passt. Dafür reichte ihm dieses Jahr nicht mehr nur die Bühne, er präsentierte sich auch in seinem Ratgeber „Das ist Alpha!“ – als Selbsthilfecoach für alle verweichlichten „Betas“ und „geldgierigen Bitches“. (Wir meinen: Wer dieses Buch liest, ist ein Lauch.) Herzlichen Glückwunsch, lieber Felix Blume, du hast auch im Jahr 2018 bewiesen, was du für den Großteil unserer Gesellschaft übrig hast: Gleichgültigkeit und völlige Verachtung. Laudatorin: Viola Blomberg, 26 Jahre

Sell-out-YouTuber brachten was raus

Um die deutsche Wirtschaft stand es in diesem Jahr nicht schlecht. Dafür sorgten auch Produkte bekannter You-Tuber: Ein Einkauf in den großen Drogerieketten führte vorbei an lächelnden Influencer-Pappaufstellern mit Duschschäumen, Lipgloss und Parfüms. Im Buchhandel häuften sich glänzende Lifestyle-Schmöker, Beauty-Ratgeber und bunt illustrierte Kochbücher. (Wie wir „Contour & Confidence“ von Mrs. Bella fanden, lest ihr hier.) Im Schaufenster hübsch aufgereiht: Schüler- und Jahreskalender. 2018 war das Jahr, in dem jeder große YouTuber irgendetwas „herausgebracht“ hat. Es scheint so, als wäre der Beruf doch nicht ganz so zukunftssicher. Die Welle an YouTuber-Produkten vermittelt jedenfalls den Eindruck, sie wollten sich auf dem Gipfel ihres Ruhms noch schnell finanziell absichern, um schon bald schwindende Werbeeinnahmen zu überbrücken. Laudatorin: Aniko Schusterius, 22 Jahre

Chris Tall durfte das – hätte es aber vielleicht besser gelassen

Der 27-Jährige wurde vor einigen Jahren durch Auftritte bei „TV total“ bekannt, wo er dazu aufrief, Witze „über Behinderte, über Schwule, über Schwarze“ zu machen. Aus dieser Idee konnte der Hamburger in diesem Jahr ein eigenes Fernseh-Format generieren: die Sendung „Darf er das?“. Der Titel und RTL, der ausstrahlende Sender, suggerieren, es ginge dabei um mutige Provokation, um das Aussprechen von Dingen, die wir anderen uns nicht zu sagen trauen. Tatsächlich ist eine Show, in der über Frauen „fett oder schwanger?“ und über Männer „homo oder hetero?“ geurteilt werden soll, nichts anderes als menschenverachtend. Laudatorin: Laura Patz, 24 Jahre

Namika sprach kein Französisch

David Hasselhoff führte den Mauerfall herbei, die Sportfreunde Stiller verschafften Fußballdeutschland den Weltmeistertitel
– wenn auch mit vierjähriger Verzögerung –, John Lennon gab der Friedensbewegung eine Hymne. Musik hat zweifellos die Kraft zur Veränderung und zur Einigung. Und noch immer nehmen sich Musiker der damit verbundenen Verantwortung an. Diesjährige Vorreiterin ist unbestritten Namika: In „Je ne parle pas français“ besingt die 27-Jährige ihre französische Bekanntschaft, die sie leider nicht verstehen kann. Mag simpel klingen, doch schafft sie damit das Unglaubliche: kollektives Augenrollen, Aufseufzen im Takt und das Wechseln des Radiosenders wie ein Überlebensreflex. Der Anfang der Melodie genügt – und schwuppdiwupp ist sich die halbe Nation einig: Du nervst. (Die andere Hälfte mag gedacht haben: Tolles Album! So wie unsere Rezensentin Viola.) Kaum ein anderer Song schaffte es 2018, Deutschland so zusammenzubringen. Für dieses soziale Engagement hat Namika ihren Goldenen Affen sicher. Auf Deutsch und in Berlin. Laudatorin: Jessica Schattenberg, 20 Jahre

Andrea Nahles trug Rot

Die Pippi Langstrumpf der SPD-Spitze hat sich in den vergangenen Jahren wiederholt durch zweifelhafte Aktionen ins Gedächtnis der Deutschen eingebrannt – 2018 war da keine Ausnahme. Einer Frage konnte man sich dabei nie erwehren: Ist diese Frau noch zurechnungsfähig? Wer sich grölend mit Parteigenossinnen verbrüdert, die die gleiche Farbe tragen („Rot! Rot! Rot!“), so unklug agiert wie in der Causa Maaßen und nur mit dem zweitschlechtesten Ergebnis überhaupt zur Parteivorsitzenden gewählt wird, hat es schwer. Nahles’ Engagement für die Partei bleibt ungebrochen. Und doch agiert sie anscheinend ohne jegliches Verständnis von öffentlicher Kommunikation, ohne Redenschreiber oder ein Gefühl für die Masse. Das rote Stehaufmännchen hat sich über die Jahre zu einer Karikatur seiner selbst entwickelt. Sie scheint als Einzige noch nicht begriffen zu haben, dass sie ihr politisches Auto mit Bleifuß gegen den Baum fährt und sich der Lächerlichkeit preisgibt. Laudator: Hannes Beyer, 17 Jahre

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Beitragsbild: Creaslim via Unsplash