Die Krawalle in Chemnitz machen viele sprachlos. Das sollten sie nicht – im Gegenteil: Wir müssen den Mund aufmachen und handeln!

Von Viola Blomberg, 25 Jahre

Beim Jugendwort des Jahres stehen neben „lindnern“ oder „Lauch“ auch Ausdrücke wie „lan“ und „Kocum“ zur Wahl. Es sind Worte aus dem Türkischen, Jugendliche haben sie aus der Muttersprache ihrer Eltern in unsere Alltagssprache einwandern lassen. Und das ist gut so, denn sie spiegeln die Vielfalt unserer Gesellschaft wider und machen deutlich, dass Sprachenvielfalt einen großen Einfluss hat. Doch während diese Vielfalt unter Jugendlichen immer selbstverständlicher wird, passieren in diesem Land gleichzeitig Dinge, für die mir die Worte fehlen.

In der vergangenen Woche nahmen Rechtsextreme den tödlichen Messerangriff auf einen 35-Jährigen zum Anlass, um in der sächsischen Stadt Chemnitz aufzumarschieren. Sie skandierten Nazi-Parolen, zeigten den Hitlergruß und machten Jagd auf Migranten. Eine Ansammlung aus Hass, Aggressivität und Menschenverachtung gegen alle, die anders sind. Die Bilder aus Chemnitz waren für mich angsteinflößend und erschreckend.

Fremdenhass erfordert Gegenwehr

Wir dürfen das nicht hinnehmen, ohne zu handeln. Lasst uns rausgehen und Gesicht zeigen. Denn diese Entwicklung erfordert Widerstand – und zwar von uns allen. Wir müssen uns gegen Diskriminierung und Fremdenhass einsetzen, dürfen nicht zulassen, dass Menschen das Gefühl haben, sie gehören nicht zu uns oder zu unserer Gesellschaft.

Wie traurig ist es, dass manche es noch immer nicht begreifen: Unser Zusammenleben gelingt nur, wenn wir alle das gleiche Recht haben, uns frei zu entfalten. Es muss endlich eine Zeit kommen, in der Menschen jeden rassistischen Gedanken überzeugt ablehnen. Weltoffenheit statt Einfalt, Toleranz statt Gewalt und Diversität statt Eingrenzung. Denn Vielfalt kann niemals etwas Schlechtes sein, und deshalb ist Fremdenhass niemals richtig.