Reisen, ohne der Umwelt zu schaden? Das ist schwer machbar. Doch es gibt einen Ausweg, um aus diesem Dilemma rauszukommen.

Von Julia Sauer, 22 Jahre

Besonders durch Flugreisen wird der ökologische Fußabdruck ganz schnell ganz groß. Möchte man das eigene schlechte Gewissen nach einer Flugreise verkleinern, dann kann man mit einem Klick bei der Buchung eine Klimaabgabe an gemeinnützige Organisationen wie myclimate oder atmosfair spenden. Auch bei Flixbus kann man so einen kleinen Betrag zahlen, um die Fahrt zu kompensieren. Doch was genau passiert eigentlich mit den Spenden?

Wird ein ökologischer Treibstoff entwickelt? Werden Bäume gepflanzt, um CO2 zu binden? Oder wird versucht, CO2 aufzufangen? So richtig weiß niemand, wo die Klimaspende hingeht. Deswegen habe ich nachgehakt.

Die Lösung: Kompensation

Die Spenden werden an unterschiedliche Klimaschutzprojekte verteilt. Das funktioniert so: Zuerst wird errechnet, wie viel CO2 durch die eigene Reise in die Erdatmosphäre gelangt ist. Dann wird geguckt, wie viel Geld gespendet werden muss, damit genau diese Menge wieder woanders gespart werden kann.

Zum Beispiel durch energieeffiziente Öfen in Ruanda. Dort werden traditionelle Feuerstellen durch neue Öfen ersetzt, die 80 Prozent Holz einsparen. Jeder neue Ofen soll vier Tonnen CO2 jährlich einsparen. Dafür wird die Flixbus-Klimaspende verwendet. Das Projekt wird vom CDM Executive Board, einem Gremium der UN, kontrolliert. Auch myclimate unterstützt ein Ofenprojekt in Afrika.

Die genaue Höhe der Klimaspende ermitteln sogenannte Klima­rechner. Sie kommen allerdings für die gleiche Route zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Auf der Lufthansa-Seite wird auf einen Rechner des Partners myclimate verlinkt, der auf einen Verbrauch von einer Tonne für Hin- und Rückflug zwischen Berlin und New York kommt. Ein Klimarechner des eigenen Webauftritts von myclimate berechnet allerdings für die gleiche Strecke 2,4 Tonnen. Auf atmosfair.de werden drei Tonnen CO2 veranschlagt und ein CO2-Rechner auf naturefund.de ermittelt fast fünf Tonnen CO2-Ausstoß.

Eigentlich ist eine Flugreise nicht drin

Egal welche Berechnung man zugrunde legt, eine Flugreise nach New York ist eigentlich nicht drin. Denn nach atmosfair dürfen pro Kopf nur 2,3 Tonnen CO2 jährlich ausgestoßen werden. In Deutschland werden allerdings alleine 1,5 Tonnen CO2 durchschnittlich pro Person „gegessen“.

Die Projekte sind zweifelsfrei eine gute Sache. Aber andere schädliche Stoffe im Treibstoff bleiben bei den Klimaspenden komplett unberücksichtigt. Zudem kann man nie wissen, wie viel der Spenden tatsächlich in die Projekte fließt. Vermeidung ist besser als Kompensation! Warum nicht gleich das Geld für teure Flugreisen in Klimaprojekte stecken? Einen schönen Urlaubsort findet man bestimmt auch in der Nähe.

 

Beitragsbild: Windpark auf Karuba in der Karibik, der mittels Klimaabgaben finanziert wurde. (c) Climate Partner