Auffallend wenig Menschen in Deutschland sind bereit, ihre Organe im Falle ihres Todes zu spenden. In anderen Ländern haben rechtliche Regelungen dafür gesorgt, dass die Zahl der Organspender deutlich höher liegt.

von Carlotta Jessing, Schülerin am Gabriele-von-Bülow-Gymnasium, Tegel

„Ich bin dann sowieso tot, warum also sollte ich meine Organe nicht spenden?“, fragt Anne. Lena sieht gar eine Antwort auf die Frage, was nach dem Tod passiert: „So könnte der Tote in einem anderen Menschen weiterleben.“ Also der Angst vor der Ungewissheit begegnen. Je mehr Menschen so dächten, umso mehr Menschen könnte man das Leben retten. Der Tod könnte etwas Positives bedeuten.

Doch die beiden stehen mit ihrer Sicht anscheinend recht allein da: Jährlich sterben laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation bundesweit mehr als eintausend Menschen, weil ihnen Spender fehlen. Die Zahl der Organspenden ist auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren angekommen.

In vielen Ländern ist die Organspende anders geregelt als in Deutschland. In Norwegen zum Beispiel gibt es seit Jahrzehnten die Widerspruchslösung. Mit der Volljährigkeit wird man dort automatisch Organspender. Wer sich aus persönlichen Gründen gegen die Organspende entscheidet, muss sich melden. Durch diese Regelung haben sehr viele Menschen eine höhere Chance auf ein längeres Leben. Während in Deutschland mehr als 10.000 Menschen auf ein Transplantat warten, sind es in Norwegen weniger als 500. Troels Normann Mathisen, Sprecher der norwegischen Stiftung Organdonasjon, bringt den Unterschied zu Deutschland in einem Interview auf den Punkt: „Wir verbinden Organspenden weniger mit dem Tod eines lieben Menschen als mit der Möglichkeit, Leben zu ermöglichen.“

In Deutschland kann man mit 16 Jahren Spender werden. Organspendeausweise sind bei jeder Krankenkasse erhältlich. Mehr Infos gibt es auf Organspende-info.de.