Es mag jedes Jahr dasselbe sein, aber wenn ein neuer Teil von FIFA rauskommt, bin ich für meinen Freund plötzlich Luft.

Mein Freund hat sich von mir getrennt. Zumindest fühlt es sich so an. Er redet kaum noch mit mir, wir unternehmen nichts mehr und gehen nicht mehr zur selben Zeit ins Bett. Wir sprechen auch nicht mehr dieselbe Sprache. Er benutzt jetzt Wörter wie „Pack Luck“, „Momentum“ und „Walkout“ – und da wird es mir klar: Es ist wieder FIFA-Zeit!

So wie mir geht es vielen jungen Frauen. Als wäre der Tunnelblick während all den Fußball-Spielzeiten nicht genug! Nein, auch wenn alljährlich im September ein neues Videospiel der „FIFA“-Reihe rauskommt, sind wir Luft.

Im Eiltempo hat er einen neuen Fernseher bestellt. Seinen letzten Urlaubstag in diesem Jahr hat er nicht etwa genommen, um Zeit mit mir zu verbringen. Nein, er hat sich lieber um neun Uhr morgens mit den Kumpels getroffen, um dann gemeinsam den ganzen Tag vor verschiedenen Bildschirmen zu hängen und sich darüber aufzuregen, dass der Gegner eigentlich viel schlechter spielt, aber die eigenen virtuellen Spieler auf irgendwelche geheimnisvollen Tastenkombinationen nicht rechtzeitig reagieren. Ich habe sogar ein Instagram-Verbot bekommen – weil sonst das WLAN zu langsam sei und man unschöne Verzögerungen am Bildschirm ertragen müsste.

Zwei Möglichkeiten: aufregen oder mitmachen?

Mein Freund würde wegen dieser Frage vermutlich zum ersten und einzigen Mal in seinem Leben handgreiflich werden, aber: Ist „FIFA“ nicht jedes Jahr dasselbe? Es werden für viel Geld irgendwelche „Packs“ gezogen, so wie früher „Pokémon“-Karten, und aus den gezogenen Spielern irgendwelche Teams gebildet werden, mit denen man dann gegen andere Jungs spielt, die irgendwo auf der Welt ihre Freundinnen vernachlässigen. Und trotzdem geht der Wahnsinn jeden September von vorne los.

Was kann man da als junge Frau tun, um nicht mehr unsichtbar zu sein? Ja, Mädels, wir haben jetzt zwei Möglichkeiten. Wir könnten uns zusammenschließen und unsere Zeit besser nutzen, als vergeblich um die Aufmerksamkeit unserer Jungs zu buhlen. Oder wir versuchen zu verstehen, was die Jungs so begeistert – und spielen mit. Denn mal ehrlich: Aufregen bringt gar nichts. Das würden sie eh nicht mitbekommen.

Beitragsbild: EA Sports