Keiner will allein sein. Aber vergesst es: In Berlin kommen einfach nicht die Richtigen zusammen. Liegt das an der Stadt oder an mir?

Fast jeder ist es mal leid, Single zu sein. Deshalb begehen wir alle den gleichen Fehler: Wir suchen uns Dates im Internet, sprechen wildfremde Menschen auf viel zu anonymen Partys an und treffen uns mit Zeitgenossen, die uns nicht ganz zusagen. Könnte ja doch noch was werden, wenn man sich besser kennt. Allerdings weiß ich, eigentlich wird das nichts, auch wenn man sich besser kennt.

Denn Berlin ist unheimlich anonym. Da entsteht bei vielen, mich eingeschlossen, das Gefühl, man müsste schnell einen Partner finden. Man ist nämlich, sind wir mal ehrlich, nie gern allein. Das erzeugt Druck – und so wird das nichts.

Überall Individualisten – wie soll man da jemanden finden?

Berlin verleitet außerdem dazu, ganz speziellen Rollenbildern nachzueifern. Alleinstellungsmerkmale sind alles, was zählt. Das Problem ist: Wenn jeder ein „Individualist“ ist, gibt es keine Individuen mehr. Keiner sticht mehr aus der Masse heraus. Wie soll man da jemanden finden?

Die Darstellungssucht, die in Berlin herrscht, führt in Kombi mit Social Media zu kruden Dates, die nicht selten wie folgt ablaufen: Man trifft sich, ist voller Vorfreude, weil man schon Gott und die Welt des anderen kennt – weiß dann aber gar nicht, worüber man in persona reden soll. Die tollsten Tinder-Profile der Welt werden schnell zur schnödesten Zeitverschwendung, wenn man sich gegenübersitzt.

Berlin, Tinder, Social Media – so wird das nichts mit guten Dates …

Und wer hätte gedacht, dass an manchen Sprichworten so viel dran ist. „Gut Ding will Weile haben“: Wir Berliner sind zu vorschnell, können alles haben, wollen alles haben. Sind ungeduldig, wenn sich Dinge wie Emotionen erst entwickeln müssen.

Das alles ist eine toxische Mischung an Gegebenheiten, der wir in Berlin nur schwer ausweichen können. Das ist gleichzeitig eine wie keine Schuldzuweisung: Natürlich ist Berlin schuld, dass Dating bei mir nicht funktioniert. Ich selbst bin aber offenbar auch nicht bereit, meine Strategien anzupassen. Vielleicht fange ich jetzt damit an.

 

Beitragsbild: “Find me on Tinder” von Urban Isthmus (CC BY 2.0)