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Verkatert ins neue Jahr starten? So ein Quatsch!

Margarethe will nicht den ersten Tag des Jahres mit Kopfschmerzen verplempern.

Der erste Tag des neuen Jahres. Für viele ist er das gedankliche Tor zum optimierten Ich, der Gullideckel über den Abwassermassen schlechter Angewohnheiten. Kurios dabei: Kaum lassen sich an diesem magischen Datum motivierte Jogger, Low-Carb-Köchinnen oder Karma-Überlieger beobachten. Stattdessen zahllose Jogginghosenträger, die um 13 Uhr zum Katerfrühstück die kalten Reste der Silvesterparty löffeln.

Da frage ich mich mal wieder: Warum muss ausgerechnet der letzte Abend des alten Jahres als Countdown zum Kopfschmerz zelebriert werden? Floskeln werden hier zu Mantren: Erst „Korken knallen lassen“, dann „hineinrutschen“. Wer bei einer heftigen Silvestersause schon vor Mitternacht sabbernd auf dem Sofa hängt – mit Marmelade der traditionellen Neujahrspfannkuchen am Kinn, elend mit einem schillernden Partyhütchen, das schräg am Scheitel klebt –, verpasst doch direkt den Senkrechtstart ins „Ab jetzt wird alles besser“.

Klar, als Kind war Silvester eine große Nummer. Bis Mitternacht aufbleiben, Feuerwerksspektakel, betrunken von der Kohlensäure im Kindersekt – das volle Programm. Wochenlang fieberte man dem Ereignis entgegen, anlässlich dessen gefeiert werden durfte wie die Erwachsenen. Das gab es ja nur einmal im Jahr. Heute können wir an jedem Wochenende feiern, in Berlin eigentlich rund um die Uhr, wenn Terminkalender, Energie und Budget es erlauben. Warum also ausgerechnet den 31. Dezember – und vor allem den Folgetag – dafür hergeben?

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Viel sinnvoller und entspannter wäre doch eine ganz andere Strategie: an besagtem Abend das Jahr in Flanellpulli und Stricksocken Revue passieren lassen, kurz nach Mitternacht ins Bett schlüpfen und am 1.1. topfit und ausgeschlafen sein. Tausche: mit verquollenen Augen, trockenem Mund und schmerzendem Schädel in einem Netz aus Speichelfäden zu erwachen. Gewinne: einen produktiven Tag! Obligatorisch sind natürlich eine kleine Yoga-Stunde am Morgen, ein Grünkohl-Smoothie und ein pflegendes Kleopatra-Bad. Und das Beste an allem ist natürlich: Mit den guten Vorsätzen klappt es dann auch viel besser. Ganz bestimmt.

Wie verbringt ihr den ersten Tag des neuen Jahres? Verratet es uns!

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Schreiben ist meine Neurose. Ich mache das wirklich nicht freiwillig. An pathologischer Schreibwut leide ich etwa seit meinem neunten Lebensjahr. Heute bin ich 24. Sie äußert sich in der übermäßigen Produktion von Texten, dabei reagiere ich sensibel auf gute Geschichten. Schreiben ist mein Plüsch–Airbag gegen Schleudertraumata im täglichen Gedankenkarussell, Weckglas für klebrig-süße Memoirenmarmelade und die doppelte Aspirin am Morgen nach einem exzessiven Empfindungsrausch. Ich habe eine Schwäche für Präpositionen mit Genitiv, Schachtelsätze und Ironie. In die Redaktion komme ich nur, weil es da umsonst Tee gibt.

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