Barcelona
Von oben sieht Barcelona wunderschön aus – inmitten der Touristenmassen sieht man davon leider nicht so viel.

Overtourism: Wie Barcelona gegen den Tourismus kämpft

Barcelona gilt – nicht zuletzt bei jungen Menschen – als unerlässliches Reiseziel für einen Kurztrip. Millionen strömen jährlich in die spanische Hafenstadt. Die Einheimischen freut das nur bedingt. Ein Besuch.

Von Kristina Vasilevskaja, 18 Jahre

Valencia, Malaga, Venedig, Prag, Rom, Madrid: Städtetrips sind ideal, um mal für ein paar Tage aus dem Alltag auszubrechen und werden gerade bei jüngeren Menschen immer beliebter. Für die Reiseziele ist der zunehmende Tourismus nicht unbedingt von Vorteil. Die Stadtzentren sind überlaufen, der Müll wird zum Problem. Mallorca hat aus diesem Grunde bereits 2016 eine Touristenabgabe. Die Einnahmen fließen in Umweltprojekte.

Auch in Barcelona scheint der Unmut gegenüber Touristen zu steigen. Jährlich besuchen Millionen Menschen die spanische Hafenstadt. Das geht nicht spurlos an der Metropole, in der selbst nur rund 1,6 Millionen Menschen leben, vorbei. Die Aktionen, bei denen die Regierung aufgefordert wird, Maßnahmen gegen den massiven Tourismus zu ergreifen, häufen sich. Schilder mit „Tourist go home“ ziere einige Gassen. Die Regierung hat bereits einen Baustopp für Hotels verhängt. Auch die Zahl der Ferienwohnungen soll eingeschränkt werden.

Kreuzfahrtschiffe werden zum Problem

Ein zunehmendes Problem stellen die im Hafen anlegenden Kreuzfahrtschiffe dar. Binnen Minuten wird durch sie die Stadt von Tausenden Touristen überschwemmt. „Sie kaufen nichts, sondern machen nur Fotos!“, beschwert sich ein Händler in der berühmtesten Kaufhalle „La Boqueria“. „Wenn dann 5000 Menschen plötzlich an einem Ort auftauchen, macht sich das schon bemerkbar“, erzählt uns ein aus Berlin stammender Taxifahrer. In der Tat ist es wenig vergnüglich, sich mit Menschenmassen an denselben Schauplätzen zu drängeln. Die Hauptattraktionen Park Güell und die Sagrada Familia verlieren mehr und mehr an ihrer Anziehungskraft.

Nicht vergessen werden darf jedoch, dass Barcelona durchaus vom Tourismus profitiert. Die Kassen werden gefüllt. Die Stadt lebt regelrecht vom Tourismus. Doch das Maß scheint erreicht. Die Mieten sind bereits so weit gestiegen, dass Einheimische in die Randgebiete ziehen müssen. Ruhe sucht man in den Touristenzentren vergebens. „Ehrlich gesagte achte ich nicht so auf die Massen“, sagt Emma aus Barcelona. „Die Touristen machen die Stadt zu dem, was es ist. Nur nachts können sie ziemlich stören, wenn Party gemacht wird.“ In der Tat nimmt die Zahl der illegalen Partys in illegalen Clubs zu.

Ablehnung ist mir bei meinem Besuch im Sommer jedoch nicht entgegengeschlagen. Der Tourismus bleibt dennoch ein Grund zur Debatte und Gesprächsthema in Cafés und Zeitungen. Maßnahmen werden stetig besprochen, wie eine zahlenmäßige Beschränkung der anlegenden Schiffe oder die Verlegung des zentralliegenden Zoos.

Wie ist das in Berlin?

Auch wenn das Meer fern ist und die Berge im Sumpfgebiet fehlen – Touristen gibt es auch in Berlin nicht zu knapp. Die Stadt überzeugt mit seiner einschneidenden Geschichte und seiner hippen Kulturszene. Mehr als 13,5 Millionen Besucher kamen 2018. Berlin ist jedoch deutlich größer als Barcelona – nämlich fast achtmal so groß. Zudem verteilen sich die Touristen auf mehrere Bezirke.

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