Weniger Werbung könnte Berlin sicher vertragen. „Berlin Werbefrei“ will Werbung für kommerzielle Zwecke lieber gleich ganz verbieten. Ein Kommentar.

Von Rouven Kühbauch, 27 Jahre

Ganz Berlin ist zurzeit mit Stickern und Plakaten beklebt. Mit schwarzer Schrift auf weißem Grund wird da für den Volksentscheid „Berlin Werbefrei“ geworben. Wahrscheinlich sind sich die Macher der Ironie darin durchaus bewusst. Mir geht’s trotzdem auf die Nerven.

Ja, die Werbung im öffentlichen Raum hat in Berlin solche Ausmaße angenommen, dass sich etwas ändern muss. Bestes Beispiel: der U-Bahnhof Mehringdamm, der gerne mal völlig zugekleistert wird. Jedes Mal, wenn ich das sehe, möchte ich die vielen Werbefolien auf Pfeilern, Boden und Treppe mit einem Spachtel entfernen. Ich kann die Initiative also durchaus verstehen.

Ein Verbot als Antwort ist unsinnig

Dass deshalb aber alle Werbung verboten werden soll, finde ich ziemlich unsinnig. Nein, Werbung nervt nicht jeden – auch wenn uns das die 
„Berlin Werbefrei“-Werbekampagne weiszumachen versucht. Was nervt, ist, wenn die Stadt zur Kulisse für Werbung verkommt, wenn haushohe Plakate uns mit ihrer Beleuchtung nachts in die Schlafzimmer scheinen. Und natürlich nervt sexistische Werbung. Das soll sich mit dem Volksentscheid auch alles ändern. Und noch mehr: Denn Außenwerbung soll nur noch für gemeinnützige Zwecke und „kirchliche, kulturelle, politische, sportliche und ähnliche Veranstaltungen“ erlaubt sein. Als ob nur diese würdig genug seien, um Werbung zu schalten. Im Übrigen hätte das wahrscheinlich lediglich zur Folge, dass Berlin von Pseudoveranstaltungen überschwemmt wird, mit denen versucht wird, das Verbot zu umgehen.

Statt sich in unüberlegten und willkürlichen Wunschvorstellungen zu ergehen, sollten wir vielleicht lieber anfangen, ernsthaft über Werbung zu reden. Oder wir greifen eben zum Spachtel. Das ergibt jedenfalls mehr Sinn als die Ergüsse von „Berlin Werbefrei“.

Beitragsbild: Sascha Kohlmann/Flickr (CC BY SA 2.0)