40 Tage lang haben Christen weltweit gefastet. Auch die Jugendredaktion nutze diese Zeit, um sich zu befreien – von Lastern verschiedenster Art.

Notlügen-Fasten: Zufälle gibt’s: Meinen WG-Putzdienst überlagert eine wichtige Seminararbeit, im Gespräch mit dem aufdringlichen Sitznachbarn in der Bahn meldet sich telefonisch mein eifersüchtiger Freund – direkt aus dem Boxring. Kleine Notlügen sind das moralische Fast Food, wenn die Wahrheit auf den ersten Bissen Magenschmerzen verspricht. Doch so wirklich gesund fühlt sich das meist nicht an. Jede Ausrede hinterlässt einen unangenehmen Nachgeschmack. Jetzt steht sechs Wochen lang Detox fürs Gewissen auf dem Plan. Komme ich dadurch mit mir ins Reine oder auf direktem Wege in Teufels Küche? Ich hüpfe vom Ausflüchtekarussell in die alternativlose Ehrlichkeit, in der der Hamster meiner Mitbewohnerin keinen Heuschnupfen mehr hat … Hier geht’s zum Tagebuch.
Margarethe Neubauer, 23 Jahre

Info-Fasten: Heutzutage saugen wir durch Computer und Smartphone eine unheimlich große Menge an Informationen auf, wahrscheinlich das Millionenfache unserer Großeltern. 20 neue Nachrichten im Gruppenchat, zehn ungelesene E-Mails, durchgängige Musik-Beschallung, unzählige Bilder und Videos auf Facebook, YouTube und Instagram. Wo sollen all diese Eindrücke denn hin? Ich zumindest habe das Gefühl, dass diese nicht selten unnötigen Informationen, insbesondere Bilder und Videos, in meinem Gehirn Kapazitäten beanspruchen, die ich eigentlich gerne anderweitig nutzen würde. Deswegen werde ich Info-Fasten. Ich verzichte auf den ganzen unnötigen Kram, den ich mir sonst täglich zu Gemüte führe wenn ich die Startseiten genannter Apps hinunterscrolle. Hier geht’s zum Tagebuch.
Nikita Vaillant, 21 Jahre

Fast-Food-Fasten: Jeder bewältigt Stress auf seine Weise. Manche knabbern an den Fingernägeln, andere werden launisch, ich esse. Viel, süß, fettig und am besten durcheinander. Während ich meine Bachelorarbeit geschrieben habe, dienten Schoki, Pizza und Burger der Stressbewältigung. Jetzt habe ich auf nichts mehr Appetit. Mich befriedigt Essen nicht mehr. Deswegen werde ich auf Fast Food und Süßigkeiten verzichten. Ich möchte wieder bewusster kochen, mir Gedanken darüber machen, worauf ich wirklich Appetit habe und ob das tatsächlich Hunger ist oder nur Langeweile. Hier geht’s zum Tagebuch.
Laura Krüger, 23 Jahre

Handy-Fasten: Seitdem ich 13 Jahre bin, hänge ich täglich am Handy. Ich schreibe Freunden, höre Musik und lasse mir von Instagram und YouTube meine Zeit rauben. Trotzdem rede ich mir stets ein, ich hätte keine Zeit für Hausaufgaben, zu viel zu tun, um Klavier zu üben oder um mal ein Buch zu lesen. Deswegen deinstalliere oder sperre ich nun alles, was unnötig Zeit frisst. Nur Musik, Google Maps und WhatsApp/Telegram bleiben. ­Außerdem werde ich Filme – wenn überhaupt – nur an Wochenenden sehen und mich von meinem Laptop ­fernhalten. Mal schauen, wie viel Zeit ich in der Praxis eigentlich wirklich habe. Hier geht’s zum Tagebuch.
Helene Harnisch, 15 Jahre