Ständig diese Bilder, diese vielen Infos, diese unnötigen Chat-Diskussionen. Kein Wunder, dass das Hirn damit ausgelastet ist. Wie viel man sich wohl merken könnte, wenn man 6 Wochen Infos fastet? Nikita macht den Test.

Von Nikita Vaillant, 21 Jahre

Tagebucheintrag vom 9. März: Die Rettung – „Snake II“

Mittlerweile habe ich einen passablen Ersatzstoff für meine sonstige Beschall- und Berieselungssucht gefunden: Auf dem Handy gibt das Spiel „Snake II“, das ich sehr gut aus meiner Kindheit kenne. Ich hab’s auch immer noch drauf und hab in der Bahn den bestehenden High Score um Längen überboten!

Ansonsten fühlt es sich immer noch gut an, sich nur einen Bruchteil der sonstigen Informationen einzuverleiben. Ich merke zum Beispiel, dass ich Musik etwas mehr schätze als sonst. Dadurch, dass ich nicht ständig Kopfhörer auf den Ohren habe freue ich mich richtig darauf zuhause Musik auf meiner Anlage zu hören.

Tagebucheintrag vom 28. Februar: Gewohnte Reflexe

Ich benutze nun ein altes Nokia-Handy, geliehen von meiner besten Freundin. Ich schätze, es ist 15 Jahre alt. Eines dieser Modelle, die als unverwüstlich gelten, die noch drei Balken Akku haben wenn man sie nach Jahren aus einer Schublade fischt. Apps gibt es natürlich überhaupt nicht. Von nun an also kein WhatsApp, Facebook oder Instagram.

Nicht mehr auf WhatsApp erreichbar zu sein spüre ich sofort. Ich fühle mich tatsächlich freier als sonst. Keine Diskussionen in Gruppenchats, keine Freunde, die eine schnelle Antwort erwarten. Ich denke mir, die wirklich relevanten Nachrichten bekomme ich eh nicht über WhatsApp. Und wenn wirklich was Wichtiges ist, wird man mich anrufen. So wirklich nötig hat man diese Chat-Programme eigentlich nicht. Mit jemandem sprechen ist sowieso schöner. Darüber hinaus kommt es beim Schreiben oft zu Missverständnissen.

Ich merke, dass es für mich zur Gewohnheit geworden ist, ständig auf mein Handy zu schauen, vor allem wenn ich unterwegs bin. Nicht mal weil ich eine Nachricht erwarte oder nach etwas bestimmten schauen möchte. Sondern einfach so. Ich stehe am U-Bahnhof und reflexartig gleitet meine Hand in die Hosentasche. Ich hol das Telefon aus der Hosentasche und starre auf das Display. Nun gibt es jetzt allerdings sehr wenig auf dem grünen Bildschirm zu sehen, abgesehen vom Akkustand und der Uhrzeit. Ich ertappe mich jedes Mal erneut selbst bei diesem Akt, und stecke dann das Handy ernüchtert wieder zurück in meine Hosentasche.

Tagebucheintrag vom 14. Februar: Warum Nikita fastet

Heutzutage nehmen wir durch Computer und Smartphone eine unheimlich große Menge an Informationen auf, wahrscheinlich das Millionenfache unserer Großeltern. 20 neue Nachrichten im Gruppenchat, zehn ungelesene E-Mails, durchgängige Musik-Beschallung, unzählige Bilder und Videos auf Facebook, YouTube und Instagram. Wo sollen all diese Eindrücke denn hin?

Ich zumindest habe das Gefühl, diese oftmals unnötigen Informationen, gerade Bilder und Videos, nehmen in meinem Gehirn Kapazitäten in Anspruch, die ich eigentlich gerne anderweitig nutzen würde. Deswegen werde ich Info-Fasten. Ich verzichte auf den ganzen unnötigen Kram, den ich mir sonst täglich zu Gemüte führe wenn ich die Startseiten genannter Apps hinunterscrolle.

Nikita ist nicht der einzige aus der Spreewild-Jugendredaktion, der fastet.

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Beitragsfoto: Pexels/Tracy Le Blanc