Drähte biegen für die Zukunft


Die Charlottenburger Loschmidt-Oberschule veranstaltet regelmäßig einen Berufserkundungstag

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Beim Berufserkundungstag an der Loschmidt-Schule rauchten die Köpfe. Foto: Heidrun Kahla

Drei Schülerköpfe beugen sich über einen Tisch und versuchen seit zehn Minuten, einen Draht zu einem Quadrat zu biegen. Die Schwierigkeit liegt darin, dass dieses Quadrat die gleiche Größe wie das auf einer Vorlage haben soll, ohne dass ein Stück vom Draht entfernt werden darf. Mit Aufgaben wie dieser haben sich am Donnerstag vor einer Woche 300 Jugendliche eineinhalb Stunden am Berufserkundungstag an der Loschmidt-Oberschule in Charlottenburg beschäftigt. Zahlreiche Berliner Unternehmen, wie die Berliner Stadtreinigung (BSR), Vattenfall oder die BVG, stellten Stände in der Turnhalle der Schule auf. Dort konnten die Schüler Gespräche mit Mitarbeitern führen und sich einen Überblick über die potenziellen Ausbildungsbetriebe verschaffen.
 Die Loschmidt-Oberschule ist eine Oberschule mit sonderpädagogischen Aufgaben. Viele der Schüler, die sie besuchen, haben Schwierigkeiten, eine Lehrstelle zu finden.
„Wir möchten die Hemmschwelle, die äußerst viele Schüler mit sich tragen, abbauen und versprechen uns davon, dass die Schüler auf diese Weise mehrere Berufe auf einmal kennenlernen, ihre Stärken und Schwächen besser einschätzen können und so bessere Chancen haben“, sagt Schulleiter Martin Klein.

Die Schule kooperiert zu diesem Zweck mit vielen Unternehmen, nicht nur im Rahmen des Erkundungstages. Zum Beispiel machen die Schüler regelmäßig an einem Aktionstag einmal im Jahr gemeinsam mit der BSR ihren Kiez sauber. Mit dem Unternehmen führt die Schule seit neun Jahren auch ein Projekt mit dem Titel „Gemeinsam schaffen wir das!“ durch. Im Rahmen dieser Aktion werden Jugendliche mit Lernschwierigkeiten von der BSR für das Arbeitsleben geschult. Viele von ihnen machen sich so gut, dass sie anschließend sogar einen Arbeitsvertrag bei der Stadtreinigung erhalten. 
Der Berufserkundungstag, den die Loschmidt-Schule eingeführt hat, wäre womöglich auch ein Modell für andere Berliner Schulen. Denn viele Schüler haben unsichere Zukunftspläne. Um ihnen bei der Entscheidung für einen geeigneten Beruf zu helfen, könnten solche Veranstaltungen an Schulen häufiger organisiert werden. Aktionstage, wie es sie bisher an anderen Schulen gibt, bei denen Mitarbeiter von Unternehmen Vorträge halten und die Schüler Online-Fragebögen ausfüllen können, um herauszufinden, welche Berufe für sie in Frage kommen, finden meist weniger Anklang als der Erkundungstag an der Loschmidt-Schule.

Die Loschmidt-Schüler Leon, Pascal und Michele etwa finden die Veranstaltung sehr gelungen: „Wir finden es gut, die Chance zu bekommen, zu sehen, was man bei den Betrieben macht.“ Am Ende haben sie es zwar nicht selbst geschafft, das Rätsel um den Draht zu lösen, aber eine Niederlage ist das für sie nicht, im Gegenteil. Denn wer alle Tests der Betriebe gleich gut löst, ist am Ende des Tages so schlau wie vorher. Schließlich geht es darum, herauszufinden, womit man später vielleicht einmal sein Geld verdienen kann. Und dabei gehört es eben auch dazu, herauszufinden, was man besser kann als andere Dinge und was einem Spaß macht.

Von Gülsün Cakmak, 17 Jahre

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