Klartext
Zeichung von einem Tanga

Ein Tanga ist 
kein Ja zu Sex

Mit dem Hashtag #ThisIsNotConsent protestieren Menschen rund um den Globus gegen eine schlimme Argumentation: Victim Blaming.

Ein seltsames Bild hob sich vor ein paar Tagen von meinem übrigen Instagram-Feed ab: das Foto eines roten Spitzenhöschens. Was sollte das? Schließlich stammte das Bild von einem Kanal für politische Inhalte, war also keine nervige Influencer-Werbung für Unterwäsche oder Ähnliches. Nein, tatsächlich war es ein Statement: Dieses Höschen bedeutet nicht, dass ich Sex mit dir haben will.

Das erklärungsbedürftige Bild wurde durch einen umstrittenen Gerichtsprozess in Irland ausgelöst, in dem der Angeklagte vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen wurde, nachdem dessen Verteidigerin den Geschworenen suggerierte, es sei nicht auszuschließen, dass das 17-jährige Mädchen seine Einwilligung zum Geschlechtsverkehr indirekt gegeben habe – schließlich habe sie ja einen Spitzen-Tanga getragen.

Die mutmaßlich Vergewaltigte hat ein Spitzen-Höschen getragen – na und?!

Entschuldigung, bitte was?! Jetzt soll eine Unterhose nur aufgrund ihres Designs eine Zustimmung zu sexuellen Handlungen darstellen? Darf man jetzt nur noch übergroße Omawäsche tragen, um auf der sicheren Seite vor sexuellen Übergriffen zu sein? Nein, auf keinen Fall. Dieser Gedanke entbehrt für mich jedweder Moral. Ich möchte auch weiterhin die Kleidung tragen, die ich als bequem, schön, angenehm, nett, passend oder als was auch immer empfinde. Denn wer sollte mir denn vorschreiben dürfen, was ich zu tragen habe, und aus welchem Grund?

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I can’t believe that in a rape trial a lawyer can really be allowed to state that wearing a lacy thong means to be open to meeting someone and therefore to having consensual sex. It’s outrageous. But this happened in Ireland only a few days ago and there was a protest in Dublin with women marching under the #thisisnotconsent claim. This is my small illustrated tribute to this cause. A thong is not consent. A cute dress is not consent. A no is a no. No matter the make up, the dress, the underwear. I feel so angry and ashamed of the world I’m living in. . . . #thisnotconsent #thong #weshouldallbefeminists #feminism #womenempowerment #illustration #maricazottino #womenrights #ibelieveher @ibelieveherireland

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Zum Glück denke nicht nur ich so: Aus Protest gegen das Urteil und die unmögliche Argumentation der Anwältin präsentierte eine Abgeordnete im irischen Parlament einen Spitzen-Tanga. Seitdem machen Dessous, versehen mit dem Hashtag #ThisIsNotConsent (dt.: Das ist keine Zustimmung), die Runde im World Wide Web. Hoffentlich merkt bald auch der Letzte, dass jedwede Opferbeschuldigung („Victim Blaming“) ein absolutes Unding ist.

Kategorien Klartext Spreewild

Wenn ich, 22, eine Top 5-Liste mit Sätzen, die ich in den vergangenen drei Jahren am häufigsten gehört habe, aufstellen würde, wäre „Was wird man denn so nach einem Geschichtsstudium?“ ganz weit oben vertreten. Zum Glück habe ich mittlerweile eine Antwort darauf gefunden: Journalistin. Darauf gekommen bin ich durch das Lesen von Harald Martensteins Artikeln, der selber Geschichte studiert hat. Von ihm habe ich auch meinen neuen Zukunftsplan: einfach immer schreiben. Genau das mache ich jetzt hier bei Spreewild, nachdem mir mein Praktikum in der Jugendredaktion so gut gefallen hat.