Am vergangenen Mittwoch wurde der „Goldene Zaunpfahl“ vergeben. In diesem Jahr ging der Preis, der seit 2017 verliehen wird, an ein besonders unglückliches Produkt.

„Die Welt ist was Gemachtes“, singt Dota Kehr in ihrem Lied „Utopie“, mit dem sie am vergangenen Mittwoch die Preisverleihung „Der goldene Zaunpfahl“ im Hebbel am Ufer (HAU) eröffnete. Treffender hätte die Liedermacherin das Thema des Abends kaum in Worte fassen können. Denn der Negativpreis, der erstmals 2017 vergeben wurde, prämiert absurdes Gendermarketing.

Wer aufmerksam durch die Einkaufsläden der Stadt läuft, dem fällt auf, wie viele Produkte es gibt, die speziell Männer oder Frauen ansprechen. Dabei gibt es keine genetische Veranlagung oder sonstige biologischen Erklärungen dafür, dass Mädchen angeblich gerne rosa mögen und Jungs blau. Vielmehr ist es das Ergebnis des sogenannten Gendermarketings. Dadurch, dass wir permanent mit Geschlechter-Stereotypen konfrontiert werden, wächst in uns das Bedürfnis, eben diesen zu entsprechen und die Welt danach zu sortieren. Jungs seien besonders wild, frech und abenteuerlustig, Mädchen hingegen eher ruhig, zurückhaltend und vor allem süß. Jungs mögen Naturwissenschaften und spielen gerne mit Baukästen, Mädchen mögen Klamotten, Kosmetik und spielen gerne mit Haushaltsgegenständen.

Produktverpackung "Barbie Experimentierkasten"Der Gewinner des Abends ist der Kosmos Verlag, der ein zutiefst unglückliches Produkt auf den Markt gebracht hat: Eine Barbie-Puppe im Chemiker-Outfit mit zugehörigem Baukasten. Hört sich zunächst gut an. Es scheint ja ein edles Motiv dahinter zu stecken: Mädchen für Naturwissenschaften zu begeistern. Aber was können denn Mädchen nun dank Kosmos bauen? Einen drehbaren Kleiderständer, eine Waschmaschine und ein Schuhregal. Und natürlich erwähnt Barbie auch, man könnte die Kittel dekorieren, um in der nächsten Chemiestunde besonders aufzufallen.

Die Folgen solcher Produkte bekommen Frauen auch real zu spüren

Sich bewusst zu machen, welche Auswirkungen Produkte wie diese auf unsere Gesellschaft haben, ist Anliegen der Initiatoren des „Goldenen Zaunpfahls“. Denn in Geschlechterrollen gepresst zu werden, schränkt nicht nur unsere Entfaltungsfreiheit ein. Insbesondere Frauen bekommen sie im späteren Leben auch real zu spüren: Vermeintliche Frauenberufe sind schlecht bezahlt, Frauen wird gerne weniger zugetraut als ihren männlichen Kollegen und sie sind in Führungspositionen unterrepräsentiert. Preis-Mitinitiatorin und Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg (Die Linke) berichtet in ihrer Laudatio: „Wenn ich mich im Bundestag umgucke, sehe ich mich von 70 Prozent Männern umgeben, dem höchsten Männeranteil seit 
20 Jahren.“

Zugleich betonen sie und ihre Mitstreiter jedoch, es ginge ihnen keineswegs nur darum, gegen die bösen Marketing-Menschen und das böse kapitalistische System überhaupt zu wettern. So stellt Sascha Verlan klar, dass auch die Marketing-Abteilungen keine homogenen Massen seien, dass auch hier vernünftige, verantwortungsvolle Menschen säßen. Ihre Position gelte es zu stärken. Die Preisverleihung soll zu dem dafür benötigten Diskurs anregen.

Beitragsbild: Kay Nietfeld