Ghostwriting
Interview

Akademisches Ghostwriting: „Helena“ schreibt für andere wissenschaftliche Arbeiten

Welche Arten von Texten verfassen Sie für andere?

Hausarbeiten, Bachelor- und Masterarbeiten. Auch Essays und kleine Motivationsschreiben. Manchmal sind es auch wirklich Bewerbungsschreiben für Unis. Ich komme einfach an jeder Stelle ins Spiel, an der Menschen sich nicht gut schriftlich ausdrücken können, gerne ein höheres Niveau hätten oder einfach keine Zeit haben.

Sie sagten, Sie kämen aus der Literaturwissenschaft. Sind die akademischen Arbeiten, die Sie verfassen, auch immer in diesem Themenbereich angesiedelt?

Nicht zwingend. In meiner akademischen Laufbahn habe ich mich mit verschiedensten Fachbereichen befasst: Germanistik, Geschichte, Pädagogik, Psychologie, Theologie. In meinem Studium lag der Fokus außerdem immer darauf, stark interdisziplinär zu arbeiten. Ich würde mich heute zwar nicht an eine ganze Masterarbeit in Theologie wagen, aber kleinere Hausarbeiten in den Geistes- und Kulturwissenschaften sind kein Problem. Es ist ja eine der Grundkompetenzen eines Ghostwriters, akademische Inhalte aufzunehmen, sich das Vokabular anzueignen und darüber zu schreiben.

„Wir klären Fragen. Damit die Kunden es auch lernen und es beim nächsten Mal vielleicht selbst hinkriegen.“

sagt „Helena“

Nehmen Sie auch gezielt Projekte außerhalb Ihrer fachlichen Sphäre an, der Herausforderung wegen?

Die Herausforderung muss immer realistisch eingeschätzt werden. Ich schreibe zum Beispiel auch Arbeiten im BWL-Bereich, mit dem ich im Studium nie etwas zu tun hatte. Ich habe mich damit dann etwas befasst und festgestellt, dass ich mich in Bereiche wie Marketing oder Human Resources einlesen kann, sie verstehe und dazu sinnvolle Projekte verfassen kann. An spezifischere Bereiche, wie etwa Steuerwesen, würde ich mich allerdings nie heranwagen – denn als Selbstständige muss ich natürlich auch ökonomisch denken und abwägen: Lohnt es sich, mich in diesen Fachbereich einzuarbeiten? Oder kostet mich das einfach nur zu viel Zeit und am Ende steht mein Honorar in keinem Verhältnis zu meinem Aufwand?

Wie läuft ein Projekt schrittweise ab?

Wenn man mit einer Agentur zusammenarbeitet, übernimmt diese die Akquise der Kunden. Aufträge werden dann im internen Autorenpool ausgeschrieben und man kann sich darauf bewerben. In der Ausschreibung stehen Informationen zum Themenbereich, Status der Arbeit und – ganz wichtig – zur Deadline. Übernimmt man dann ein Projekt, folgt der Austausch mit dem Kunden. Bei Acad Write etwa steht uns Writern dafür ein anonymisiertes Kommunikationstool zur Verfügung, mit dem man permanent in Kontakt bleiben und sich auch Dateien zusenden kann. Das ist komfortabler als einfach Mails weiterzuleiten, da auf diesem Wege leichter Informationen verloren gehen. Außerdem führen wir initiale Telefonkonferenzen, um die wichtigsten Dinge gleich am Anfang zu klären. Auch das spart eine Menge Zeit. Dann beginne ich mit dem Schreiben und schicke dem Kunden irgendwann einen ersten Entwurf. Der gibt daraufhin sein Feedback und dann geht es weiter, Stück für Stück und in ständigem Austausch miteinander. Für jeden Entwurf gibt es auch noch mal eine Telefonkonferenz, in der man alles durchspricht und Fragen klärt. Damit die Kunden es auch lernen und es beim nächsten Mal vielleicht selbst hinkriegen.

Wie teuer ist Ghostwriting eigentlich? Das lest ihr auf Seite 3.

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