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Selbst C2 ist nicht genug: So schwer haben es junge Zuwanderer auf dem Arbeitsmarkt

Hristo ist in Bulgarien zur Welt gekommen. Er spricht sehr gut Deutsch. Das wird ihm in Bewerbungsgesprächen auch stets bescheinigt. Am Ende bekommt trotzdem immer ein Muttersprachler die Stelle. Ein Kommentar.

Von Hristo Lolovski, 22 Jahre

Gut jeder fünfte Studierende in Berlin kommt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes aus dem Ausland. Vielleicht planen viele von ihnen – wie auch ich – nach dem Abschluss in Deutschland zu bleiben. Vielleicht denken manche – wie auch ich anfangs – die deutschen Arbeitgeber würden um sie kämpfen. Ich musste eine andere Realität kennenlernen.

Hristo wünschte, deutsche Arbeitgeber würden offener auf ausländische Bewerber reagieren.

Deutlich zu häufig habe ich erlebt, dass, selbst wenn man als Zuwanderer das höchste Sprachniveau C2 erlangt hat, das lange nicht so gewichtig ist, wie wenn man im Lebenslauf bei den Deutschkenntnissen „Muttersprache“ schreiben kann. Das betrifft nicht nur richtige Jobs, sondern auch Werkstudentenstellen und Praktikumsplätze. Ist das Risiko, ausländische Bewerber zu nehmen, so groß? Denke ich nicht. Noch uneinsichtiger werde ich aber, wenn mir im Vorstellungsgespräch gesagt wird, dass mein Deutsch perfekt sei, und dann die Entscheidung aufgrund meiner Herkunft zugunsten eines Muttersprachlers getroffen wird. Als ich das viermal in einem Monat durchmachen musste, saßen die Überreste meines Selbstwertgefühls im Flugzeug auf dem Weg in die Heimat.

Liebe Arbeitgeber: Gebt uns eine Chance!

Dennoch möchte ich Mut machen. Die Hochschulen und Universitäten helfen, den Bewerbungsprozess zu meistern. Die Karrierezentren bieten Sprach- und Grundlagenkurse an, die den Lebenslauf aufwerten. Man kann sogar einen persönlichen Bewerbungsunterlagen-Check in Anspruch nehmen – inklusive Ego-Boost, wenn man hört, man sei gar nicht so unerfahren und habe kein so schlechtes Deutsch, wie man selber denkt. In meinem Fall war diese Beratung genau das, was ich brauchte, um weiterzumachen.

Das ist übrigens – egal, wie klischeehaft es klingt – das Wichtigste: Bleib hartnäckig. Auch wenn du wie ich aus einem anderen Land kommst und dich der Gedanke, den Eintritt ins Berufsleben nie zu finden, schon halb hat verzweifeln lassen. Verschick Bewerbungen wie am Fließband. Das steigert die Chance, den Arbeitgeber zu treffen, der deine Fähigkeiten erkennt. Und, liebe Arbeitgeber: Gebt uns eine Chance!

Wir haben Hristos Potenzial erkannt, ihm eine Praktikumsstelle gegeben und freuen uns sehr, dass er weiterhin als Autor für uns tätig ist.

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