Ein Mann sitzt mit einem Karton, Zelt und Laptop vor einem Gebäude
„Mein Haus, meine Uni, mein erstes Semester“ – natürlich nur ein Symbolbild.

Wohnheime: Wer nicht reich ist, muss warten

Berliner Studierende sind von Wohnungsnot betroffen. Das liegt auch daran, dass der Senat mit dem Bauen nicht hinterherkommt.

Wer in Berlin studieren und günstig im Wohnheim wohnen will, muss mit etwas rechnen: Wartezeiten. Vor gut zwei Jahren dauerte es, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, zwei bis drei Monate, bis man ein Zimmer bekam. Heute ist die Warteliste immer noch da, man muss nun aber ein bis drei Semester warten. Derweil wird die Warteliste immer länger: Zum Semesterbeginn standen rund 4 200 Studierende darauf, 400 mehr als ein Jahr zuvor. Das ist nicht verwunderlich angesichts der steigenden Mieten und Studierendenzahlen.

Doch während die Berliner Studierenden mehr werden, wächst die Zahl der Plätze in den Wohnheimen nicht so schnell wie geplant. 2015 versprach der Senat mindestens 5 000 neue Wohnplätze bis 2020. Diese Pläne werden aber, wie vieles in Berlin, nicht bis zum angegebenen Termin in die Tat umgesetzt. Auf Nachfrage der „taz“ gab die Senatskanzlei bekannt, dass rund 1 500 Plätze weniger fertig sein werden. Die volle Zahl werde mit einer Verspätung von zwei Jahren erreicht.

Modernes Zimmer im privaten Wohnheim: 713 Euro

Es ist schon klar, dass die Zahl der Leute, die zum Studieren nach Berlin kommen, höher als die der angebotenen Wohnheimplätze ist. Aus diesem Grund stellt man sich als frisch Zugezogener die Frage „Und wohin jetzt?“. WG-Zimmer werden immer teurer, die einzige immer noch günstige Möglichkeit sind die Wohnheime des Studierendenwerks. In vielen Fällen verfügen sie außerdem über eine Toplage. Doch mittlerweile funktioniert es eben nicht mehr, zur Wohnheimverwaltung zu gehen und den netten Menschen dort zu erklären, dass du in Not bist, um schneller eine Wohnung zu kriegen.

Bis man beim Studierendenwerk an der Reihe ist, kann man sich um eine Wohnung in einem privaten Wohnheim bewerben. Die sind aber so teuer, dass man selbst für einen Schuhkarton fast eine Niere verkaufen muss. Für ein modernes Ein-Zimmer-Apartment im privaten Wohnheim in Kreuzberg muss man mindestens 713 Euro im Monat bezahlen, in Friedrichshain 650 Euro, im Wedding 514 Euro. Wer einen Balkon oder eine Wohnung in einem höheren Stockwerk haben will, zahlt mehr – auch mal das Doppelte.

Mit ein bisschen Glück kann man noch immer günstigere Ein-Zimmer-Wohnungen im Wedding oder in Charlottenburg finden. Aber ganz offensichtlich wird es so bald keinen erschwinglichen Platz für alle geben.

Von Hristo Lolovski, 21 Jahre

Kategorien Schule & Zukunft Uni & Ausbildung

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