Diesen Satz haben Corinna und Victor nie gehört, im Gegenteil. Jetzt machen sie trotzdem eine Fotografie-Ausbildung.

Fotografieren ist ein beliebtes Hobby. Mit Handykameras lassen sich heute wirklich gute Bilder knipsen, so gut wie jeder kann sich dadurch visuell ausdrücken. Aber mit den eigenen Fotos seinen Lebensunterhalt zu verdienen, scheint für die meisten völlig unrealistisch.

Corinna Hopmann und Victor Heekeren sind Auszubildende am Lette-Verein. Sie lernen dort, wie man mit Passion und Ausdauer eben doch Schritt für Schritt Profi werden kann. Beide haben bereits früh die Fotografie für sich entdeckt – er durch den Vater, einen Kameramann, sie durch ihren Großvater, der ihr analoge Kameras vererbte. Während Victor schnell klar wurde, dass er auch langfristig hinter der Kamera stehen wollte, sah Corinna im Knipsen lange ein reines Hobby.

Herausforderung Bewerbungsmappe: Zwei Themen, 15 bis 20 eigene Bilder

Nicht nur in Corinnas Umfeld wurde die Fotografie damals mit „brotloser Kunst“ gleichgesetzt. Erst der Umzug aus NRW in die Hauptstadt zeigte ihr neue Möglichkeiten auf. Beim Praktikum bei einem Werbefotografen merkte sie, dass Berufsfotografen gutes Geld verdienen und gleichzeitig ihrer Leidenschaft nachgehen können. Und durch den Fotografen stieß Corinna auf den Lette-Verein. Wie Victor nahm sie die Herausforderung an: Sie stellte sich mit einer Mappe – zwei vom Verein vorgegebene Themen, 15 bis 20 eigene Fotografien – bei der Berufsfachschule in Schöneberg vor.

Die Fotografie-Ausbildung des Vereins dauert drei Jahre, in denen neben den technischen und gestalterischen Grundlagen auch viel an praktischen Projekten gearbeitet wird. Das Risiko des Fotografendaseins bleibt den Auszubildenden dabei stets bewusst: Bereits im ersten Ausbildungsjahr steigen viele aus, wenn sie sehen, dass sie als freischaffende Fotografen nicht wirklich mit einem geregelten Einkommen rechnen können.

Die Ausbildung: Technik, Gestaltung, Kunstgeschichte – und ein bisschen BWL

Corinna und Victor sind sich jedoch einig: Um ihren Traum zu verwirklichen, bedarf es vor allem Zielstrebigkeit, Fleiß und einer gehörigen Portion Eigeninitiative. Auch wenn eine Ausbildung kein Muss ist, empfehlen die jungen Lette-Azubis das. Man lerne nicht nur, ein gewisses Auge für Ästhetik zu entwickeln, sondern erlebe die ganze Bandbreite des Fotografie-Business. Auch die Frage „Wie gehe ich einen Auftrag an?“. Ein bisschen BWLer-Sicht schadet eben nicht.

Ambitionierten Fotografen raten sie, jede freie Minute zu nutzen, um ihrer Leidenschaft nachzugehen und den Alltag bewusst durch die Linse zu erleben. Praktika bei Fotografen können eine große Hilfe sein, den Beruf und alles, was dazugehört, in der Praxis zu erleben. Letztlich sollte man aber auf sich selber hören und überlegen, ob die Leidenschaft größer ist als das Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit. Ist dem so, muss der Wunsch, als Fotograf zu arbeiten, keineswegs mit einem Kopfschütteln abgetan werden.

Beitragsbild: Lisa Fotios von Pexels

 

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