Millionen junge Deutsche engagieren sich ehrenamtlich. Auch Barbara. Mit Mitte 20 gründete sie Suni, einen Verein, der sich für benachteiligte Kinder und Jugendliche in Namibia einsetzt.

Rund 44 Prozent der über 14-Jährigen engagieren sich in Deutschland ehrenamtlich. Besonders stark ist das Engagement bei jungen Menschen zwischen 14 und 29 Jahren ausgeprägt. Barbara Scharfbillig ist eine von ihnen. Mit Mitte zwanzig ist sie ins südliche Afrika nach Namibia aufgebrochen, um kurz da­rauf in Deutschland einen Verein zu gründen, der darauf abzielt, die Lebens- und Lernbedingungen der dort lebenden Kinder zu verbessern. Nun feierte der Verein Suni sein zehnjähriges Jubiläum. Wir haben Barbara gesprochen.

Wie kam es dazu, dass du so jung Suni gegründet hast?
Nach meiner Ausbildung zur Krankenschwester habe ich eine einjährige Rucksackreise durch Afrika gemacht und bin an einer Schule in der Kalahari-Wüste rausgekommen. Dort bin ich für drei Monate als Schulkrankenschwester geblieben. Als ich mit dem Einsatz fertig war, fragte mich die Direktorin, ob ich die Schule nicht weiterhin mit Freiwilligen unterstützen könne. Die Omaheke ist eine sehr strukturschwache Region in Namibia. Die Menschen leben unter schwierigen Bedingungen. Ich habe versucht, andere Vereine zu finden, die sich vor Ort engagieren. Doch niemand wollte das Projekt aufnehmen. So habe ich selbst ein Freiwilligenprogramm aufgebaut.

Warum Namibia? In Deutschland gäbe es doch auch einiges zu tun, ­um Kinder aus sozial schwachen ­Familien zu unterstützen.
Ich engagiere mich schon mein ganzes Leben lang ehrenamtlich. Ich habe mir Namibia nicht gezielt ausgesucht. Das hat sich vielmehr entwickelt. Irgendwann hat dieses Engagement so viel Raum eingenommen, dass keine andere ehrenamtliche Tätigkeit mehr infrage kam.

„Es geht darum, was in den Köpfen passiert“

Wie viele seid ihr?
Wir haben momentan 100 Mitglieder, wovon etwa 30 aktiv dabei sind und kleinere und größere Aufgaben übernehmen. Wir sind sehr jung. Ich bin mit Mitte 30 wohl die älteste Ehrenamtliche. Im Schnitt sind wir Mitte bis Ende zwanzig.

Werden die jungen Engagierten in Namibia überhaupt ernst genommen?
Wir vermitteln nur Personen, die bereits eine Qualifikation im pädagogischen Bereich haben, damit wir die Namibier wirklich unterstützen können. Die Freiwilligen – häufig Lehrer oder Lehramtsstudenten – sind also bereits Experten auf ihrem Gebiet. Ob man sie ernst nimmt, hängt dann wohl wieder von der eigenen Persönlichkeit und dem Auftreten ab.

Der Verein ist nach der afrikanischen Zwergantilope „Suni“ benannt. ­Genauso wie diese Antilope ist auch der Verein klein. Könnt ihr überhaupt etwas bewirken?
Ja. Die Frage ist natürlich, wie man Wirkung bemisst. Viele Leute denken, dass es nur darum gehe, Geld zu schicken, um mit diesem ein Gebäude zu bauen. Wenn das dann steht, sind alle zufrieden und der Erfolg kann bemessen werden. Viel wichtiger ist jedoch, was in den Köpfen passiert. Wenn ich neue Methoden lerne oder mir neue Dinge erschließe, dann habe ich ein Werkzeug, das mir ein ganzes Leben lang weiterhelfen wird. Deshalb fördern wir den Expertenaustausch zwischen Pädagogen aus Deutschland und Namibia.

Ehrenamt­lich und unbezahlt: „Es ist anstrengend.“

Was würdest du jungen Menschen ­raten, die vielleicht auch eine Vereinsgründung planen?
Sich immer mit den Leuten auszutauschen, die im gleichen Feld arbeiten. Einfach, weil es oft etwa rechtliche Rahmenbedingungen gibt, die man gar nicht kennen kann. Dann muss man natürlich ein bisschen Mut haben. Aber vor allem ist der Wille wichtig, Dinge ändern zu wollen, zu reflektieren und sein eigenes Handeln stets kritisch zu betrachten.

Hand aufs Herz: Ist die ehrenamt­liche, unbezahlte Vereinsarbeit nicht manchmals mehr Last denn Freude?
Es ist anstrengend. Gerade wenn man eine hohe Verantwortung übernimmt, wird es irgendwann zur Last. Wenn es zu viele negative Gefühle sind, muss man sich überlegen, ob es besser wäre, es zu beenden.

Das Interview führte Antje Waldschmidt.

Wer ist Suni?

  • Der gemeinnützige Verein setzt sich für benachteiligte Kinder und Jugendliche in der Omaheke-Region (Namibia) ein. Aktuell unterstützt Suni vier Schulen und ein Schülerheim.
  • Zugleich wird der interkulturelle Austausch zwischen jungen Menschen aus Deutschland und Namibia gefördert.
  • Vor zehn Jahren wurde Suni gegründet – und erhielt bereits fünf Auszeichnungen.
  • Durch eine staatliche Förderung vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung war es möglich, im vergangenen Jahr sieben jungen Pädagogen aus Namibia einen Deutschlandbesuch zu ermöglichen.
  • Wer helfen möchte, findet hier weiterführende Informationen zum Verein.

Beitragsfoto: Suni e. V.