Schüler*innen bei Prüfung
Ein bundesweites Zentralabitur wäre für Lehrerin Jessica B. nur unter bestimmten Bedingungen sinnvoll.
Interview

Wir haben mit einer Berliner Lehrerin über die Idee eines Zentralabiturs gesprochen

Was sagen Lehrkräfte zum Thema Zentralabitur? Im Interview erklärt uns Jessica B., Lehrerin für Biologie und Sport an einer Berliner Sekundarschule, wie sie zu der Idee steht.

Von Moritz Tripp, 24 Jahre

Wie sinnvoll würden Sie ein deutschlandweit zentrales Abitur finden?
Grundsätzlich fände ich es schon gut, eine höhere Vergleichbarkeit zwischen den Ländern zu schaffen. Das setzt aber voraus, dass man vorher die Rahmenbedingungen der Länder angleicht. Ein Zentralabitur von heute auf morgen einzuführen, funktioniert nicht.

Warum nicht?
Die Leistungsniveaus variieren zwischen den einzelnen Bundesländern. Aufgaben, die in einem Land gut angenommen werden, gelten anderswo als zu schwer. Es müsste also zuerst das Bildungsniveau bundesweit auf ein vergleichbares Level gehoben werden, bevor man allen die gleichen Aufgaben stellt.

In Berlin gibt es ein Zentralabitur. Wie groß ist die Arbeitsbelastung, die dadurch entsteht?
Das Abitur wurde bei uns im Mai geschrieben. Wir Lehrkräfte hatten dadurch etwas weniger regulären Unterricht, doch im Prinzip kam die Arbeit für uns einfach obendrauf. Da das letzte Schuljahr ein sehr kurzes war, hatten wir für die Korrektur dann genau eine Woche und zwei Tage Zeit. Das fandich ganz schön sportlich. Generell bedeutet ein Zentralabitur aber weniger Aufwand als ein individuelles, da man sich als Lehrkraft die Aufgaben nicht selbst überlegen muss.

Es müsste zuerst das Bildungsniveau bundesweit auf ein vergleichbares Level gehoben werden, bevor man allen die gleichen Aufgaben stellt.

Jessica B., Lehrerin an einer Berliner Sekundarschule

Haben Sie das Gefühl, dass der Oberstufenunterricht zum Teil nur auf die Abiturprüfung vorbereiten soll?
Vielleicht ein bisschen. Ich nehme mir aber die Freiheit, interessante Unterrichtsinhalte hervorzuheben, da ich bei den Schülerinnen und Schülern Leidenschaft für meine Fächer wecken möchte. In letzter Zeit habe ich allerdings das Gefühl, dass sich viele nur noch aus rationalen Gründen für bestimmte Fächer entscheiden und nicht, weil sie wirklich Lust darauf haben.

Was halten Sie von der Idee, das Numerus-clausus-Verfahren an Hochschulen durch Eignungstests zu ersetzen?
Ich glaube, das wäre schon gerechter, da so auch gezielt die Eigenschaften, die man für einen bestimmten Studiengang braucht, abgefragt werden könnten. Das würde allerdings mit einer zusätzlichen Belastung für frischgebackene Abiturient*innen einhergehen, da auf das Abitur gleich die nächste Prüfung folgen würde.

Anmerkung: Die Idee von individuellen Eignungstests statt NC-Verfahren an Hochschulen stellen wir im Lauf der Woche ausführlicher im Klartext vor.

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