Berliner Bildungskrise
Kaum sind die Ferien vorbei, häufen sich die Hiobsbotschaften.

Das sagt der Landesschülerausschuss zur Berliner Bildungskrise

Die Berliner Bildungskrise hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Nun wird offen der Rücktritt von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) gefordert. Wir sprachen mit Luisa Regel, Sprecherin des Berliner Landesschülerausschusses über die aktuellen Hiobsbotschaften.

Gerade wurde bekannt, dass nach Prognosen der Schulverwaltung aus dem Mai Gebäude für 24.000 Schulplätze für das Schuljahr 2021/22 fehlen. Hätte dieses Defizit nicht viel früher gesehen werden müssen?
Natürlich hätte das Problem schon früher erkannt werden müssen, dass ist schließlich der Job der Senatsverwaltung. Jedem Schüler ist bewusst, dass die Klassen immer größer und die Aufnahmen auf die Wunschoberschulen schwieriger geworden sind. Dafür muss man kein Profi sein! Wir als Schülerschaft hätten uns eine frühere Einsicht der Senatorin und gute Lösungsansätze schon beim ersten Auftreten des Problems gewünscht.

Die Berliner CDU fordert Scheeres’ Rücktritt. Der Landeselternausschuss droht mit der Aufkündigung der Kooperation. Seitens der Bildungsgewerkschaft GEW hagelt es Kritik. Auch innerhalb der Partei wächst der Druck. Wie steht ihr dazu?
Der Fakt, dass der Schulplatzmangel erst so spät bekannt geworden ist und keine Gegenmaßnahmen eingeleitet wurden, ist eine Schande. Bei vielen hat unsere Bildungssenatorin an Glaubwürdigkeit verloren und wir können die Einstellung des Landeselternausschusses gut nachvollziehen.

Woraus müssen sich Berlins Schüler einstellen?
Klar gibt es erst mal die offensichtlichen Auswirkungen wie zu große Klassen und überforderte Lehrer. Aber auch die schwierige Lernatmosphäre und das stetig schrumpfende Kursangebot wird zu einem immer größeren Problem. Ein ähnlich großes Problem ist die Wahl einer Oberschule nach der vierten oder sechsten Klasse. Schüler beschreiben das als sehr hart, weil herausragende Noten und zum Teil sogar Einzelgespräche gefordert werden, ebenso wie die Angst, auf keiner der Wunschschulen einen Platz zu bekommen. Es ist, als müssten sich die Kinder nicht an einer Oberschule, sondern an der Uni bewerben und wer nicht genommen wird, bekommt vom Schulamt eine Schule zugewiesen. Das ist für die betroffenen Schüler eine stressige und belastende Zeit. Aus diesen Gründen verlieren immer mehr Schüler die Motivation und den Spaß an Bildung.

Das kostenlose Nachverkehrs-Ticket ist ein Meilenstein.

Luisa Regel, Sprecherin des Berliner Landesschülerausschusses

38 Millionen Euro sollen in diesem Jahr in die Digitaltechnik Berliner Schulen gesteckt werden. Zumindest das ist doch erfreulich – oder?
Es ist ein guter Schritt in die richtige Richtung, hat jedoch auch seine Probleme. Zu großen Teilen sind Lehrer nicht in der Lage, mit neuster Technik wie Whiteboards und ähnlichem umzugehen. Deshalb sollte man das Geld nicht nur in Technik sondern auch in Ausstattung wie funktionierende Toiletten, Personal- und vor allem in die Weiterbildung der Lehrer zum Umgang mit digitalen Medien investieren.

Seit August gibt es das kostenlose Nahverkehrs-Ticket für Berliner Schüler. Ein Meilenstein, oder?
Natürlich! Das ist ein großer Schritt in Richtung Chancengleichheit welche im Schulgesetz immer wieder gepredigt, aber in der Realität leider nicht umgesetzt wird. Viele weitere werden hoffentlich folgen. Berlin hat im Vergleich zu anderen Städten ein hervorragendes ÖPNV-Netz und das sollten wir auch nutzen. Davon abgesehen ist es deutlich umweltschonender und motiviert Kinder und Jugendliche hoffentlich dazu, eher die Bahn zu nehmen als sich mit dem Auto fahren zu lassen.

Brauchen wir ein Handyverbot an Schulen?
Das ist ein schwieriges und oft diskutiertes Thema, auch bei uns. Wir setzten uns für eine kontrollierten Gebrauch, nicht aber für ein vollständiges Verbot ein. Wir leben in einer Zeit, in der das Smartphone und Soziale Medien einen festen Teil unserer Gesellschaft darstellen und deshalb es unserer Ansicht nach falsch ist, sie aus der Schule ,,verbannen“ zu wollen. Wir wünschen uns eine bessere Aufklärung in Schulen und genügend andere Motivationen um das Handy auch mal zur Seite zu legen. Klar ist aber, im Unterricht haben Smartphones, bis auf bestimmte Ausnahmen wie zum Beispiel bewusste Recherche, nichts zu suchen.

Die Schul-Mensen laufen über.

Luisa Regel, Sprecherin des Berliner Landesschülerausschusses

Berliner Kinder aus den Klassen eins bis sechs bekommen künftig Mittagessen in der Schule umsonst. Können die Schulen das überhaupt gewährleisten?
Auch das ist unserer Meinung nach ein großer Schritt in Richtung Gleichberechtigung und Chancengleichheit. Zwar hat jeder Schüler das Recht, bei zu geringem Verdienst der Eltern Schulessen bezahlt zu bekommen, nutzen tun es viele jedoch nicht. Es fällt schwer zuzugeben, dass sie die Hilfe des Staates benötigen und nutzen diese Option deshalb nicht. Das kann sich jetzt ändern! Leider sind einige Schulen noch nicht darauf vorbereitet, weswegen die Cafeterien überlaufen. Und die Pausen sind zu kurz. Die Schulen können zum Teil nicht einmal genug Essen für alle Schüler zur Verfügung stellen. Das muss sich unbedingt noch ändern.

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Seit nunmehr knapp vier Jahren habe ich das große Vergnügen, die Jugendredaktion der Berliner Zeitung leiten zu dürfen. Täglich darf ich mit schlauen, wissbegierigen und extrem talentierten jungen Menschen zusammenarbeiten und dieses Newsportal mit frischen Artikeln bestücken. Ich selbst war zuvor übrigens unter anderem beim Tagesspiegel tätig und habe für den dpa-Themendienst geschrieben. Mein Volontariat habe ich bei Raufeld Medien und Cicero Online absolviert. Achso, an der FU habe ich Politik sowie Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studiert – wie irgendwie fast alle halt.

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