Unterricht zu Hause
Zu Hause lernen? Das werden einige Schüler deutlich besser hinbekommen als andere.

Corona-Ferien? Tobias berichtet, wie das mit dem Unterricht zu Hause so klappt

Es ist der achte Tag, an dem unser Autor Tobias zu Hause sitzt, statt in die Schule zu gehen. Anfangs hatte er viel zu tun. Aber langsam scheinen selbst die Lehrer*innen keine Lust mehr zu haben. Eine Homeschooling-Kolumne.

Von Tobias Donald Westphal, 15 Jahre

28. März – Tag 12: Endlich Zeit!

So, nun nachdem alle bisher gestellten Aufgaben erledigt sind, habe ich endlich mal Zeit meine große To-Do-Liste aufzuarbeiten – oder an den Wochenenden einfach mal nichts für die Schule zu tun, was zwar das Hausaufgabenkonzept vieler Schulen so vorsieht, aber eigentlich nie klappt. Und das bedeutet: viel Lesen, Waffeln backen und Artikel schreiben. Endlich Zeit!

25. März – Tag 9: Welchen Wochentag haben wir?

So langsam gewöhne ich mich an das alles. Ich habe ohne Kalender keine Ahnung mehr, seit wann ich nun zu Hause bin und welchen Wochentag wir haben. Aber das ist auch in den Ferien so.

Ansonsten bin ich zwar nicht mehr so produktiv wie am Anfang, das brauche ich aber auch gar nicht, weil es immer weniger zu tun gibt. Ich habe nun alles aufgearbeitet, was ich bisher an Aufgaben bekommen habe. In zwei Fächern erwarte ich noch Aufgaben in der nächsten Woche, sonst wird wahrscheinlich nicht mehr viel kommen.

Die Arbeit ging an sich recht schnell von der Hand und viele Lehrerinnen haben sich auch aktiv gewünscht, dass wir eigene Quellen mit einbeziehen oder Methoden nutzen, die in der Schule nicht immer so leicht umzusetzen sind, etwa ein Physikquiz. Die Lösungen werden von uns zwar zum größten Teil digital angefertigt und es wird sich hier und da mal beraten – aber sie werden tatsächlich alleine angefertigt! Es hat sich keine Tauschbörse für Lösungen gebildet, wir haben auch keine Fächer aufgeteilt. Spaßhalber reden wir zwar immer mal wieder darüber, aber letztendlich hilft es ja auch nicht, wenn nur Einer es am Ende kann.

23. März – Tag 7: Der Ladebildschirm ist die Pausenklingel

Im Gegensatz zu vielen anderen Schulen gehört meine zu den wenigen, die sich rechtzeitig auf die Schulschließung vorbereitet und schon Anfang der letzten Woche nach Lösungen zur Kommunikation und zum Dateiaustausch zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen gesucht haben.

Wie so ziemlich alle Berliner Schulen setzen wir auf die Plattform schul.cloud, die sich ähnlich wie Slack in „Channels“ für die einzelnen Klassen und Kurse und in Chats für die Kommunikation mit Mitschüler*innen oder Lehrer*innen gliedert. Und wie bei so ziemlich allen Berliner Schulen geht das auch bei uns schief, weil schul.cloud nicht auf den raschen Anstieg an Nutzerinnen vorbereitet war und nicht genügend Ressourcen zur Verfügung stehen. Doch schul.cloud wird bei uns mittlerweile eh nur noch sehr sporadisch genutzt.

Während des Downloads kann man in Ruhe frühstücken

Zum Dateiaustausch hat meine Schule eine Instanz der Open-Source-Lösung Pydio installiert, die einen externen Zugriff auf Laufwerke erlaubt, die in der Schule liegen. Doch die datenschutzkonforme, unabhängige Installation in der Schule bedeutet auch, dass der Zugriff auf Pydio an die Internetleitung der Schule gebunden ist. Und das heißt: warten. Wenn 800 Schülerinnen sich eine Bambusleitung teilen müssen, die maximal 100 Megabyte in der Sekunde an Durchsatz schafft, das kann gar nicht funktionieren. Und sobald man mal einen günstigen Zeitpunkt erwischt und sich anmelden kann, kann man spätestens während des Downloads der neuen Aufgaben in Ruhe frühstücken.

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Nichtsdestotrotz läuft es bei uns noch besser als an anderen Schulen, die zum Teil gar keine Lösung haben oder seit Tagen auf die Bewilligung ihrer händischen Anträge für „Lernraum Berlin“ warten. Niemand war auf diese ungewöhnliche Situation vorbereitet und immerhin arbeiten mehrere Lehrkräfte unermüdlich daran, diese so effizient wie möglich zu gestalten und halten weiterhin stets nach alternativen Umsetzungen Ausschau.

19. März – Tag 3: Manche Mitschüler haben noch gar nichts gemacht

Heute musste ich für eine MSA-Prüfung dann doch in die Schule, die Termine der mündlichen Prüfungen sind dezentral und deshalb nicht verschoben. Natürlich war das erste Thema, das in so gut wie allen Gesprächen fiel, wie „Schule von zu Hause“ so klappt und wie weit wir sind.

Von vielen habe ich gehört, dass sie noch nichts oder kaum etwas gemacht haben. Ihnen fehle die Motivation, hieß es. Zugleich allerdings erzählte eine Person, dass sie aus Langeweile ihr Nasenpiercing entfernt und nicht wieder befestigt bekommen habe.

Doch nicht alle schieben die Arbeit vor sich her, einige erzählten auch, dass sie es so wie ich machen. Es scheint also ganz unterschiedlich zu sein, wie wir an die Angelegenheit rangehen. Einige fangen früher an, die anderen erholen sich lieber erst einmal und arbeiten dann später auf.

Ob ich mit meiner Motivation durchhalten werde, weiß ich jetzt noch nicht, das werde ich wohl erst in den nächsten Tagen erfahren. Zumindest bin ich gespannt darauf, wie es weitergeht.

18. März – Tag 2: Noch bin ich motiviert

Nach zwei Tagen muss ich nun sagen: Mir gefällt das Konzept. Aber, ich weiß nicht, wie sich das noch entwickeln wird. Klar vermisse ich die Gruppenarbeiten, das Gespräch in der Klasse. Doch zugleich bin ich begeistert davon, wie schön es ist, sich selbst die Zeit einteilen zu können. Ich habe bisher immer gleich morgens angefangen, erst später eine Pause gemacht, gefrühstückt oder bin zwischendurch beim Discounter einkaufen gegangen.

Außerdem finde ich es super, dass man auf eigene Quellen zurückgreifen kann. Zugegeben, da ist öfter YouTube dabei, als es vielleicht sollte. Trotzdem ist man letztendlich ab und zu sogar schneller fertig – und hat mehr behalten. Meine Devise ist, alles möglichst schnell abzuarbeiten, damit ich die letzte Woche vielleicht doch schon Ferien machen kann.

16. März – Tag 0: Und dann ist es doch passiert …

Als die Schulschließungen diskutiert wurden und noch recht unwahrscheinlich schienen, hoffte ich, dass es nicht dazu kommt. Gerade am Ende der zehnten Klasse werden noch einmal die Grundbausteine für die Oberstufe gesetzt, all das gelehrt, was früher zu Zeiten von G13 noch in der elften Klasse angesiedelt war.

Doch zugleich fand ich die Vorstellung irgendwie spannend, einmal Unterricht von zu Hause zu erleben. In anderen Ländern findet der Unterricht zum Teil immer zu Hause am Computer statt – ganz normal. Dann muss das doch bei uns für ein paar Wochen auch klappen, oder?

Als in der Schule die Gerüchte rumgingen, dass wir ab dem kommenden Dienstag zu Hause bleiben können, habe ich erst nicht daran geglaubt. Ich dachte, dass die Hoffnungen manche Schüler*innen zu solchen Spekulationen verleitet haben und sich das ganze infolgedessen wie ein Lauffeuer verbreitet hat.

Als ich dann in der Pause selbst in den Nachrichten nachgeschaut habe, stimmte es dann doch. Ich gehörte zu den Wenigen, die davon nicht begeistert waren und lieber Unterricht gehabt hätten. Die Masse jubelte so sehr, dass sie vor Freude vergaß, dass wir Aufgaben bekommen werden.

Tobias hält euch regelmäßig auf dem Laufenden. Die neuen Teile seiner Kolumne werden an den Anfang des Artikels gefügt.

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  1. S. Kraus

    Interessant. Schnell alles abarbeiten und dann 3 Wochen Ferien. Was machst du dann in den 3 Wochen? Binge watching?

    • Tobias Donald Westphal

      Filme sind nicht so meins, eher lesen und selbst noch ein paar Artikel schreiben 🙂

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