Demonstranten bei einer Fridays for Future Demo
Bei den „Fridays for Future“-Demos protestieren Jugendliche für Klimaschutz.

Wir meinen es ernst!

Nun bestätigt auch eine Studie, was wir schon lange spüren: Kindern und Jugendlichen fehlt es an Möglichkeiten der Mitbestimmung. Besonders Lehrer hören uns kaum zu.

Wie wichtig es ist, gerade der jungen Generation zuzuhören, haben die „Fridays for Future“-Proteste eindrucksvoll gezeigt: Ohne die zahlreichen Jungaktivisten, die nun schon seit Monaten jeden Freitag hoch motiviert durch Europas Stadtzentren ziehen, würde unser Klimaproblem heute wohl noch immer unter einem Mantel des Schweigens liegen.

Nicht ausreichend Mitwirkungsmöglichkeiten

Ungeachtet der Aufmerksamkeit, die klimabewussten jungen Menschen zukommt, fühlt sich ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen in Deutschland jedoch weiterhin nicht von den Erwachsenen ernst genommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt wurde und bei der insgesamt 3500 Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren befragt wurden. Nur rund ein Drittel der 14-Jährigen habe demnach das Gefühl, über ausreichend Mitwirkungsmöglichkeiten in Schule und Gesellschaft zu verfügen. Zehn Prozent der Befragten aller Altersgruppen gaben sogar an, überhaupt nicht bei Entscheidungen der Erwachsenen involviert zu werden.

Offenbar nehmen viele Jugendliche ihr Alter dabei als Stigma war: „Die nehmen mich nicht ernst, weil ich in der Pubertät bin“, lautet der Befund eines resignierten Studienteilnehmers. Sabine Andresen und Renate Möller, die Leiterinnen der Umfrage, stellen fest: „Sie erleben wiederholt Abwertungen und machen daran ungleiche Machtverhältnisse fest.“ Grundsätzlich gelte, dass das Empfinden der Ablehnung mit dem Alter zunehme und Grundschüler noch eher das Gefühl hätten, beispielsweise im Unterricht mitbestimmen zu können, als das in weiterführenden Schulen der Fall sei.

Eltern hören zu, Lehrer weniger

In der eigenen Familie fühlten sich die meisten Befragten jedoch überwiegend ernst genommen. Fast 80 Prozent gaben an, dass ihnen die Eltern zuhören würden. Mehr als die Hälfte habe auch das Gefühl, bei Entscheidungen innerhalb der Familie involviert zu sein und aktiv mit-entscheiden zu können.

Wie wichtig es ist, Kindern zuzuhören, zeigt ein weiterer Befund der Studie: Knapp 30 Prozent der befragten Grundschüler berichteten, im vergangenen Monat geschlagen, gehänselt und ausgegrenzt worden zu sein. An Haupt- und Gesamtschulen waren es 20 Prozent, am Gymnasium hingegen nur 10 Prozent.

Von Julien Hoffmann, 25 Jahre

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