„Crossfit ist mein Ausgleich“

Wenn Milena Thiele nicht in der Schule ist, trainiert sie im Gym – und zwar äußerst erfolgreich. Gerade wurde sie zum „Fittest Teen in Germany“ gekürt.

Sie ist 16 Jahre alt und Sportlerin. Reiten, Akrobatik oder Tanzen sind aber nicht wirklich Milenas Metier. Crossfit, ein hochintensiver Kraft- und Ausdauersport mit komplexen Bewegungsabläufen und regelmäßig wechselnden Programmen, das ist ihr Kampffeld. Und darin ist sie die Beste. In diesem Jahr wurde sie zum „Fittest Teen in Germany“ gekürt, landete beim deutschlandweiten Vorentscheid für die internationalen CrossFit Games also vor allen anderen Mädchen unter 18. Das war Anlass genug für uns, ihr ein paar Fragen zu stellen. Über das, was sie zu solchen Leistungen antreibt, über das, was sie erreicht hat, und über das, was sie noch erreichen will.

Wie bist du zum Crossfit gekommen?
Ich war jahrelang Kunstturnerin. Das hat mir irgendwann keinen Spaß mehr gemacht, da habe ich was Neues gesucht, was trotzdem mit Turnen zu tun hat. Und dann bin ich übers Internet auf die CrossFit Schmiede in Kassel (ein spezielles Fitnessstudio, im Crossfit-Jargon „Box“ genannt; Anm. d. Red.) gekommen.

Was ist der größte Unterschied zwischen Turnen und Crossfit?
Im Turnen hat man vier Geräte und seine Choreografien dazu, die auf den Punkt genau sitzen müssen. Sie werden deswegen immer wiederholt und perfektioniert, während man im Crossfit ein Work-out niemals oder nur bei Ausnahmen zweimal macht. So weiß man nie, was auf einen zukommt und wie man mit der Situation umgehen soll.

Hast du mit Klischees zu kämpfen? Du bist muskulöser als andere Mädchen, Stichwort: „Shehulk“.
Ja, anfangs schon. Ich bekomme auch öfter Kommentare, die das ansprechen. Am Anfang musste ich da auch mit mir selber kämpfen, dass mich die negativen Kommentare nicht unterkriegen. Aber mittlerweile liebe ich es, wie ich aussehe, weil das einfach ein Zeichen von sehr viel harter Arbeit ist. Und wer will schon aussehen wie alle anderen?

„Jeder kann mehrere Meter rudern, aber nur wenige können einen perfekten Snatch ausführen.“

Milena sucht beim Crossfit die Herausforderung.

Deine absolute Lieblingsübung?
Ich mag viele Sachen, aber durch meinen turnerischen Hintergrund besonders alle „gymnastic movements“. Umso höher der Anspruch der Übung, desto mehr Spaß hat man – zum Beispiel beim Laufen im Handstand oder beim Snatch (so nennen Crossfitter das Reißen aus dem olympischen Gewichtheben; Anm. d. Red.). Ich mag komplexe Übungen, wo man seinen Kopf anschalten und sich konzentrieren muss. Jeder kann mehrere Meter rudern, aber wenige können einen perfekten Snatch ausführen.

Am Wochenende hat Milena am Crossfit-Wettbewerb „Berlin Throwdown“ teilgenommen

Drei Grundsätze, um es im Sport weit zu bringen?
Erstens: Nicht aufgeben, auch wenn’s mal nicht läuft, wie man will. Zweitens: Niemals negativ denken. Drittens: Nicht nur im Gym 100 Prozent geben, sondern auch außerhalb. Da sind zum Beispiel Schlaf und Ernährung sehr wichtig.

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Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?
Von 8 bis 16.30 Uhr gehe ich in die Schule. Danach geht’s direkt in die Box für circa drei Stunden trainieren und coachen. Dann bin ich so um 20 Uhr wieder zu Hause, wo ich esse, Hausaufgaben mache, lerne und um circa 21.30 Uhr schlafen gehe, damit um 6 Uhr mein Wecker wieder klingeln kann.

Dein Tag ist also ganz schön durchgetaktet, das klingt wie bei einem Profi. Wie siehst du deine Zukunft: als Vollzeitathletin oder im Nine-to-five-Job?
Das Ziel ist, irgendwann Vollzeit-athlet zu sein. Crossfit ist für mich mein Hobby und mein Ausgleich zu dem ganzen Schulstress. Und ich mache es, solange es mir Spaß macht. Ich werde nach dem Abi erst mal ein duales Studium anfangen mit einem Ausbildungsplatz bei der CrossFit Schmiede. Da werde ich dann weiter coachen und nebenbei trainieren, was praktisch ist,  da mein Coach, Jörn von The Forge Concept, gleichzeitig der Inhaber der Box ist.

„Die Zeit, die ich in der Box mit Training oder Coachen verbringe, ist die beste Zeit des Tages.“

Das Gym ist für Milena wie ein zwietes Zuhause.

Hast du eigentlich Probleme beim Zeitmanagement?
Es ist oft schwierig, aber die Zeit, die ich in der Box mit Training oder Coachen verbringe, ist die beste Zeit des Tages und fühlt sich für mich wie Freizeit an. Ansonsten geht Schule immer vor Training.

Die meisten Athleten bei Crossfit-Wettbewerben sind deutlich älter als du. Fühlst du dich da noch sehr klein?
Nicht wirklich. Ich finde es sogar viel besser, bei den „Großen“ mitzumachen, da ich mir von ihnen so einiges abgucken und daraus lernen kann. Meistens mache ich aber auch in den „Teen“-Kategorien mit, und da macht es dann auf dem Feld keinen Unterschied.

Auf Seite 2: So war’s beim “Berlin Throwdown”

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Ich bin Hannes, 17. Zwischen, Koffein, Misanthrophie, Philosophie und Augenringen findet sich irgendwo meine rebellierende Ader, mein Schreibspleen, der immer wieder nach Ausdruck verlangt. Schreiben ist für mich wie Tourette. Man kann es versuchen zu unterdrücken, aber irgendwann bricht es sich doch Bahn. Leise war ich eh nie. Aufbegehren wurde mir gewissermaßen anerzogen. Und somit bin ich im Journalismus gelandet. Denn dort kann ich aufbegehren und wenn ich Glück habe, wird das Ganze sogar gelesen. Eine optimale Mischung für einen Menschen, der gehört werden will.