Die Zeit nach dem Abi – voller Fragen, voller Ungewissheit. Die Jugendredaktion erzählt, was sie gerne früher gewusst hätten.

Wenn mit dem Abitur das erste Mal ein großer Lebensabschnitt zu Ende geht, kann einem schon mal schwindelig werden. Schließlich ist alles, was danach kommt, groß, neu und überhaupt: eine Weichenstellung mit Signalwirkung fürs ganze Leben. Oder etwa nicht? Zum Glück können in der Spreewild-Redaktion einige bereits auf den großen Umbruch zurückschauen – und Entwarnung geben: Alles halb so wild. Nicht jede Entscheidung, die jetzt getroffen werden will, hat so weitreichenden Einfluss wie gedacht. Und nicht jede – Spoiler: so gut wie keine – Horrorvorstellung schafft es aus dem eigenen Kopf ins wirklich wahre Leben.

Das Ausland kann warten

Die größte Lüge, die mir während der Abi-Zeit erzählt wurde, war: „Geh jetzt ins Ausland! Später hast du nie wieder die Gelegenheit dazu.“ Ich habe mir mitten im sechsten Semester meines Studiums selbst bewiesen, dass man sich immer mal wieder Pausen für einen Auslandsaufenthalt nehmen kann. Heute wird das auch nicht mehr zwangsläufig als Lücke im Lebenslauf gesehen. (Laura Patz, 23 Jahre)

Der NC muss kein Hindernis sein

Während meines ersten Studiengangs habe ich mitbekommen, dass viele Studierende ohne Probleme vom zulassungsfreien Bachelorstudiengang zum beliebteren und deshalb zulassungsbeschränkten Staatsexamen gewechselt sind. Ich selbst habe das dann auch ausprobiert und gelernt: Besonders gut funktioniert das mit Fachkombinationen. Einfach das Fach mit dem höheren NC als Nebenfach auswählen, denn dann sind die Anforderungen meistens geringer. Am Ende des ersten Semesters dann beide Fächer tauschen. Man muss dabei ein bisschen mit den Leistungspunkten und den Fristen aufpassen, aber im Zweifelsfall hilft einem da die Studienberatung. (Rouven Kühbauch, 27 Jahre)

Druck ist ein schlechter Ratgeber

Als Abiturientin hatte ich unterschwellig Angst vorm Versagen. Nicht nur bezogen auf das Abitur, sondern auch auf meinen weiteren Lebensweg. Mir wurde ständig die Frage gestellt, was ich denn nach dem Abi tun würde. An sich ist diese Frage nicht unberechtigt, hat aber jedes Mal ein bisschen mehr Druck in mir aufgebaut. Angst vor dem großen, weiten Leben nach dem Abi.

Ich entschied mich Hals über Kopf für ein FSJ, brach es jedoch ab und nahm mir Zeit, um in mich selbst hineinzuhorchen. Das hatte ich seit den Abi-Prüfungen nämlich nicht mehr gemacht. Rückblickend sehe ich, dass ich mich vom Druck habe leiten lassen, nicht von mir selbst. Ich hätte vor einem Jahr gern gewusst, dass ich mir nicht so viele Sorgen machen muss, dass es okay ist „nichts“ zu machen. Gelernt habe ich nämlich, dass es immer weiter geht und ich selbst die Richtung bestimme. So klischeehaft es auch klingt. (Marlene Mähler, 18 Jahre)

Eine Auszeit hat auch Vorteile

Nach zwölf Jahren Schule konnte ich es nicht erwarten, mein Abitur in der Hand zu halten. Doch kurz vorher bekam ich Drüsenfieber – eine Erkrankung, die mich für ein halbes Jahr an mein Bett fesseln würde. So konnte ich meinen Freunden letztlich nur dabei zusehen, wie sie im Abiturstress ächzten, sich durch Prüfungen quälten und schlussendlich sich und ihren Schulabschluss feiern durften. Ich war wütend und deprimiert deshalb, musste ich doch meine Tage mit Arztbesuchen, Büchern oder Serien überbrücken.

Aber es hatte auch etwas Gutes: Ich konnte meinen Schulalltag reflektieren und habe in diesem halben Jahr gelernt, dass es wichtigere Dinge gibt als analytische Geometrie und die richtige Kurswahl. Ich habe gelernt, mir Zeit für mich zu nehmen, Prioritäten zu setzen und den Dingen mit Gelassenheit entgegenzutreten. Diese Gelassenheit nahm ich mit in jede Mathe-Klausur und in alle Abi-Prüfungen, als ich dann mein letztes Schuljahr wiederholte. Ich will ehrlich sein: Die Zeit war schwer, aber vielleicht das Beste, was mir hätte passieren können. (Alma Dewerny, 19 Jahre)

Wird schon schiefgehen

Vor dem Abi überfiel mich mit einem Mal eine diffuse Angst vor dem Scheitern. Ich war in der Schule immer gut gewesen, hatte auch schon konkrete Pläne für die Zeit danach – und trotzdem glaubte ich, ich könnte ein Fall für den Sozialstaat werden. Was mir über Monate hinweg schlaflose Nächte und ein Essproblem einbrachte. Genauso plötzlich verschwand das Problem wieder. Als am ersten Tag meines Freiwilligendienstes auch am anderen Ende der Welt die Sonne aufging, war irgendwie klar: Wird schon schiefgehen. Klingt cheesy, ist aber so. (Lukas Wohner, 27 Jahre)

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