Sind wir internetsüchtig? Die Bundesdrogenbeauftragte sieht aufgrund einer aktuellen Studie jedenfalls „dringenden Handlungsbedarf“. Ein Kommentar.

Von Viktoria Koch, 21 Jahre

Wenn Schüler eher durchschnittliche bis schlechte Schulnoten schreiben, fragen sich sowohl Lehrer als auch Eltern, welche Auslöser es dafür geben könnte. Nicht selten fallen dann Vorwürfe wie „Wenn du nicht die ganze Zeit am Handy hängen würdest“ oder „Statt deine Zeit mit Instagram und Snapchat zu verbringen, solltest du lieber mal deinen Kopf in deine Schulbücher stecken“. Aber stimmt es wirklich, dass soziale Netzwerke den schulischen Erfolg beeinträchtigen?

Laut einer gerade veröffentlichten Studie der Uni Würzburg seien Schüler, die in sozialen Netzwerken aktiv sind, nicht unbedingt schlechter in der Schule. Im Gegenteil könnte der richtige Umgang sogar für 
eine Verbesserung 
sorgen, wenn sich beispielsweise über Hausaufgaben ausgetauscht wird. Vergangenen Donnerstag schob die Deutsche Angestellten-Krankenkasse DAK die Ergebnisse ihrer Studie nach, laut denen 2,6 Prozent der 12- bis 17-Jährigen in Deutschland abhängig von WhatsApp, Instagram und anderen Messengerdiensten sind. Alarmierend seien diese Zahlen, so DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Auch die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) sieht „dringenden Handlungsbedarf“.

Ja, was denn nun? Generell ist es zwar so, dass Schüler zum Lernen oder für die Bearbeitung der Hausaufgaben teilweise auf das Internet angewiesen sind. Aber dadurch ist auch die Versuchung da, „mal eben“ auf Instagram, Snapchat oder YouTube vorbeizuschauen. Und siehe da – ist „mal eben“ eine Stunde verflogen und kein bisschen Lernstoff im Kopf gelandet. Viel mehr könnte man schaffen, wenn man sich drei Stunden lang nur hinter seine Bücher setzen würde und ganz offline bliebe – das aufzuholen ist schwer bei über 900 abonnierten Channels. Aber letzten Endes sollte man Prioritäten setzen – wie bei so vielem im Leben. Sobald einem Schüler klar wird, dass Social Media nicht davonläuft und es sowieso unmöglich ist, wirklich alles mitzubekommen, wird man vielleicht sogar rigoros die Apps in wichtigen Lernphasen ignorieren oder gar löschen.

Der richtige Weg ist, das für sich angemessene Mittelmaß zu finden und sich dessen bewusst zu sein, wenn man gerade Zeit in die sozialen Medien investiert. Sich ein Zeitlimit zu setzen, mag streberhaft klingen, aber Multitasking beim Lernen ist leider bewiesenermaßen alles andere als produktiv. Außerdem sind die Menschen, die mehr als eine Stunde am Tag online verbringen, unglücklicher als diejenigen, die das Surfen auf diese Zeitspanne begrenzen. Und so steckt wohl in beiden Studien ein Fünkchen Wahrheit.

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