Nadine macht eine duale Ausbildung zur Bestatterfachkraft. Wie es dazu kam, haben wir sie gefragt.

Eine aktuelle Lehrlings-Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes ergab, dass 2017 Mechatroniker, Bankkaufmann und Industriekaufmann zu den beliebtesten Ausbildungsberufen gehörten. Berücksichtigt wurden dabei Faktoren wie der Arbeitszeiten, fachliche Qualität im Ausbildungsbetrieb und persönliche Beurteilung der Ausbildung. Der Beruf der Bestatterfachkraft taucht nicht im Ranking auf – was erst einmal nicht verwundert. Nadine hat sich dennoch dafür entschieden. Sie ist bereits im zweiten Lehrjahr. Wie es zu dem ungewöhnlichen Berufswunsch kam, hat sie uns verraten.

Wieso hast du dich ausgerechnet für diese Ausbildung entschieden?
Schon als Kind habe ich mich gefragt, was nach dem Tod kommt und was das für große Autos sind [Leichenwagen]. Man hat ja auch ständig mit dem Tod zu tun und wenn es nur der eines Haustieres ist, an dem man hing. Ich habe mich einfach dafür interessiert. Von einer Ausbildung habe ich zunächst abgesehen, weil ich dachte, dass die ständige Arbeit mit Verstorbenen einen runterzieht. Schließlich habe ich mich für ein Praktikum in einem Bestattungsbetrieb entschieden und festgestellt, dass es sehr viel abwechslungsreicher ist als zunächst gedacht und dass die Arbeit nicht nur mit den verstorbenen Menschen zu tun hat, sondern auch viel mit den Hinterbliebenen.

Wie war es für dich, das erste Mal einen Verstorbenen zu sehen?
Daran erinnere ich mich noch genau. Zusammen mit meinem Ausbilder sollte ich einen Toten aus der Kühlung aufbetten. Ich hatte Respekt vor der Situation, ich konnte ja nicht einschätzen, ob ich nicht vielleicht doch umkippe. Dadurch, dass ich gleich mit anfassen sollte, konnte ich mir gar nicht so viele Gedanken darüber machen. Das war gut so. Am Anfang meiner Ausbildung war es auch sehr schwierig für mich allein mit einem Toten im Versorgungsraum zu sein. Mittlerweile hat sich das geändert und ich arbeite selbständig, ohne zu überlegen, ob der Tote sich gleich bewegen könnte. Ein  bisschen komisch bleibt es trotzdem.

„Ich mag es lockerer und bunter.“

Deine Ausbildung geht über drei Jahre. Was gehört zu ihren Inhalten?
Ich mache eine duale Ausbildung. Dazu gehört die Arbeit im Betrieb aber auch der Blockunterricht in der Berufsschule. Unsere Unterrichtsfächer liegen im kaufmännischen Bereich, das lag mir vor meiner Ausbildung am fernsten. Wir beschäftigten uns natürlich auch mit der Beratung und Betreuung von Kunden, lernen mehr über die Friedhofs- und Bestattungsgesetzte und Trauerdruck, wie Anzeigen. Vor drei Wochen habe ich an einem Auszubildendenaustausch teilgenommen und war in Amerika. Vor Ort haben wir uns mit Bestattern getroffen und die amerikanische Bestattungskultur kennengelernt. Ein großer Unterschied zwischen deutschen und amerikanischen Friedhöfen ist beispielsweise, dass wir hier einen Platz für 20 Jahre mieten. In Amerika ist die Zeit unbegrenzt. Die Grabsteine stehen dort teilweise bis sie umkippen.

Es gibt ja viele verschiedene Bestattungskulturen auf der Welt. Welche gefällt dir besonders?
Mir gefällt alles gut, was den Tod zelebriert und ihn ins Leben einschließt. Schön finde ich den Día de los Muertos (Tag der Toten) in Mexiko. Vergleichsweise ist der Totensonntag in Deutschland sehr schwermütig. Ich fände es schöner, wenn man den Tod mehr ins Leben integriert, hier in Deutschland wird viel geschwiegen. Und wenn es dann so weit ist, ist es natürlich besonders dramatisch. Dann muss man schwermütig sein und eine bestimmte Reaktion wird erwartet. Ich mag es eher lockerer und bunter.

Im Mai findet deine Zwischenprüfung statt, im Sommer 2019 dann die Abschlussprüfung. Wie werden angehende Bestatter geprüft?
Es gibt einen theoretischen und einen praktischen Teil. Für den Theoretischen muss man viel lernen. Da kann alles Mögliche rankommen wie die Gesetzgebung. In der praktischen Zwischenprüfung im nächsten Jahr müssen wir auf dem Lehrfriedhof ein Grab korrekt ausheben, ohne die anderen drum herum zu beschädigen. Auch die Ausgestaltung von Trauerfeiern wird abgefragt. In der Endprüfung wird dann die Versorgung von Verstorbenen und das An- und Ausschlagen von Särgen praktisch abgefragt.

Was sind für dich die schönen und weniger schönen Seiten deiner Arbeit?
Es gibt schwierige Fälle in denen es nicht leicht ist mit den Hinterbliebenen umzugehen. Es gibt Situationen, in denen es keinen Trost gibt. Natürlich versucht man es den Betroffenen so angenehm wie möglich zu machen, aber es hilft manchmal einfach nichts. Solche Fälle sind jedoch eine Herausforderung an denen man sich weiterentwickeln kann. Das finde ich wiederrum ganz schön.

„Es kann natürlich sein, dass ich am Ende die bin, die am meisten Schiss hat.“

Welche Eigenschaften muss ein Auszubildender zur Bestatterfachkraft mitbringen?
Ein gewisses Interesse an dem Beruf und der eigenen Zukunft, Eigeninitiative und natürlich Empathie. Egoismus sollte in diesem Beruf ein Stück in den Hintergrund gerückt werden. Mein Eindruck ist, dass viele, die Bestatter werden wollen, das aus Ego-Gründen machen. Sie denken, dass sie mit diesem Beruf besonders cool wären. Das finde ich sehr schade, schließlich steht man im Dienst der Hinterbliebenen. Es geht darum, es für sie möglichst angenehm zu machen und nicht, dass ich den nächsten höchst-dramatischen Sterbefall bearbeiten kann. Respekt und Achtung den Hinterbliebenen gegenüber ist sehr wichtig.

Wie stellst du dir deine berufliche Zukunft vor?
Ich werde im Anschluss an meine Ausbildung auf jeden Fall einen Sterbebegleitungskurs machen. Das schaffe ich jetzt noch nicht aufgrund meiner Berufsschulzeiten. Aber mit dieser Weiterbildung kann ich dann auch nebenbei ehrenamtlich in Hospizen und Pflegeheimen arbeiten. Auch eine Fortbildung in der Trauerbegleitung finde ich interessant. So kann ich Trauernde gezielt begleiten. Das so intensiv durchzunehmen, ist in meiner jetzigen Ausbildung zeitlich gar nicht möglich.

Hat sich seit dem Beginn der Ausbildung deine Einstellung zum Thema Tod geändert?
Am Anfang sieht man die Dinge natürlich etwas. Bei mir ging das ganz schnell vorbei. Für mich ist der Tod ein Bestandteil des Lebens. Das heißt nicht, dass ich keine Angst vor ihm habe. Es kann natürlich sein, dass ich am Ende die bin, die am meisten Schiss hat. Ich bin mir jedoch mittlerweile nicht mehr sicher, wie ich selbst einmal bestattet werden will. Zu Beginn hatte ich genaue Vorstellungen von einer Erdbestattung, jetzt sehe ich so viele Bestattungen, dass ich gar nicht mehr über meine eigene nachdenke.

Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?
Ich bin mir ganz sicher, dass es ein Leben danach gibt. Das kann ich aber nur schwer beschreiben. Natürlich kann ich mich auch täuschen und danach ist gar nichts, aber für mich würde das hier sonst alles gar keinen Sinn ergeben. Naja, wir werden ja irgendwann eh alle sehen, was danach kommt.

Foto: dpa Themendienst