Friederike Schier
Ihre neue Rolle ist ihr noch etwas fremd, doch Friederike Schier scheut sich nicht davor, ins Licht der Öffentlich zu treten
Interview

Friederike Schier kämpft mit vollem Engagement für ein geeintes Europa

Mit 21 Jahren wurde die Berlinerin Friederike Schier gerade zur Co-Parteivorsitzenden von Volt Deutschland gewählt. Damit ist sie die jüngste Vorsitzende einer deutschen Partei. Wir stellen die junge Politikerin vor.

Von Moritz Tripp, 24 Jahre

Pünktlich um halb elf erscheint Friederike Schier in der Redaktion, bereit über sich und ihre Partei zu sprechen, in der sie gerade zur Co-Vorsitzenden gewählt wurde. Sie wirkt entspannt, ausgeruht. Und das obwohl sie, wie sie erzählt, seit 7.30 Uhr auf den Beinen ist. Trotz vollem Terminkalender ist ihr der Stress, den die Arbeit in einer Partei mit sich bringt, nicht anzumerken.

Geboren und aufgewachsen ist Friederike Schier in Strausberg bei Berlin. Sie sagt, sie sei mit der Stadt aufgewachsen und nicht in ihr. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie den ersten Teil ihrer Schulbildung außerhalb Berlins absolviert hat. Erst für die höheren Klassenstufen und das Abitur wechselte sie auf ein Gymnasium im Osten Berlins. „Weil ich Lust dazu hatte, einfach noch was Neues wollte, irgendwie neuen Input brauchte“, so ihre Begründung. Man hat den Eindruck, auch jetzt sei sie ständig auf der Suche nach Neuem.

Politisches Engagement begann während des Studiums

Anschließend folgte das Bachelorstudium in Sozial- und Kulturanthropologie an der FU. Während dieser Zeit erstarkte in ihr der Wunsch, sich selbst politisch zu engagieren. Ein Auslöser hierfür war ein Auslandssemester in Kopenhagen:
„Ich bin mit dem dortigen Sozialsystem ziemlich intensiv aneinandergeraten. Die Sozialnummer, die man in Dänemark braucht, um am dänischen Sozialsystem teilzunehmen, konnte ich als Erasmus-Studentin aus verschiedenen Gründen nicht bekommen. Deshalb war ich zu großen Teilen vom Sozialsystem ausgeschlossen und dachte mir: Wo ist denn eigentlich die Unionsbürgerschaft, die hier greifen sollte und jeder Person in jedem europäischen Land ermöglichen sollte, dort zu leben wie im eigenen? Ich merkte, dass wir hier etwas tun müssen.“ Ihr Ton ist entschieden, während sie mit Überzeugung davon erzählt, tatsächlich etwas verändern zu können.

Auch eine weitere Begebenheit fällt ihr sofort ein: Im Sommer 2018 machte sie ein Praktikum im Auswärtigen Amt, im Referat für Bürgerdialoge.
„Als dann die erste AfD-Besuchergruppe vor Ort war, saß ich zwei Stunden kopfschüttelnd da und dachte: Das kann doch nicht sein, wir müssen hier wirklich etwas tun.“ Die Empörung über die Begegnung schwingt in ihrer Stimme mit.

© Marcell Davids

Etwa zur gleichen Zeit stieß sie auf Volt, jenes junge Bündnis, das eine Brücke zwischen Partei und Bewegung schlagen will. Von der paneuropäischen Idee der Partei war sie begeistert und begann sofort, sich intensiv einzubringen und Politik selbst in die Hand zu nehmen. Während der Europawahl koordinierte sie die Volt-Wahlkampagne mit, arbeitete als studentische Hilfskraft bei der Europäischen Bewegung Deutschland, schloss ihren Bachelor ab und begann einen Master in European Studies – alles quasi zeitgleich. Wie sie das fertigbringt? „Ich bin Managerin, ich kann richtig gut Zeitpläne erstellen“, erklärt sie. Das mache ihr Spaß, das sei einfach sie. Man nimmt es ihr ab. Ihr Auftreten ist sicher, sie ist bestens vorbereitet und um keine Antwort verlegen.

Ich möchte uns, der Jugend, ermöglichen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Volt-Parteivorsitzende Friederike Schier

Organisation ist der Schlüssel

Doch bei aller Disziplin und Planung: Bleibt ihr überhaupt noch Zeit, die sie mit Familie, Freunden und Hobbies verbringen kann? „Auch das klappt erstaunlich gut.“ Sie erzählt, wie sie vor Kurzem erst mit ihrer Schwester und ihrer Mutter an der polnischen Ostsee war, so wie jedes Jahr. Wie ihre Freunde oftmals davon ausgehen, sie hätte sowieso keine Zeit und sie dann doch die Zeit findet. Wie sie Sport als Ausgleich braucht und daher viel tanzen geht. Oder wie sie sich eine Stunde täglich zum Lesen freihält. All das wäre ohne genaue Zeitplanung unmöglich zu schaffen.

Unter anderem aufgrund ihres Organisationstalents hat sie es mit 21 Jahren in den Parteivorsitz von Volt Deutschland geschafft. „Bei Volt zählen einzig der Charakter und die Leistung, die man erbringt, nicht etwa Alter, Geschlecht und dergleichen.“ Und ihre Leistung der vergangenen Monate blieb innerhalb der Partei offensichtlich nicht unbemerkt. Die Organisation der Plakatierung Deutschlands im Wahlkampf, Koordination der Unterschriftensammlung für den Wahlantritt, Unterstützung der Partei als Generalsekretärin: Durch ihr außergewöhnliches Engagement überzeugte sie ihre Parteimitglieder davon, sie vor vier Wochen in den Parteivorsitz zu wählen.

Und wenn ihr nun doch jemand unterstellt, sie habe mit 21 Jahren nicht die nötige Lebenserfahrung für so ein wichtiges politisches Amt? Über eine Antwort muss sie nicht lange nachdenken: „Dann würde ich sagen, ich habe das längste Leben mit diesen politischen Verhältnissen vor mir und habe einfach so zügig wie möglich begonnen, Politik zu beeinflussen. Denn ich möchte uns, der Jugend, ermöglichen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.“

Neue Rolle noch ungewohnt

Ihr Motor ist dabei die Vision eines geeinten Europas.
Sie sagt, sie bewundere andere Menschen, die sich politisch engagieren, doch wirkliche politische Vorbilder habe sie nicht. Nun kann sie selbst eines werden.
Zugegeben, zuletzt war sie als Generalsekretärin und Koordinatorin vor Allem im Hintergrund der Partei tätig. Ihre neue Rolle als Gesicht der Partei sei für sie zwar noch ungewohnt, doch man merkt, dass sie nicht davor zurückscheut, ins Licht der Öffentlichkeit zu treten. Dabei ist es ihr noch etwas fremd, Fragen in einem Interview zu beantworten: Normalerweise sei sie öfter diejenige, die fragt, und nicht andersherum. Sie wird sich wohl daran gewöhnen müssen, in Zukunft mehr einseitige Gespräche zu führen.

Die Frage danach, wo sie sich in fünf Jahren sieht, findet sie „ganz, ganz furchtbar“. Trotzdem fällt ihr eine Antwort ein: „Auf der Straße, beim Wahlkampf für die nächste Europawahl.“

Als neue Stimme der Partei kritisiert Friederike Schier unter anderem das Klimapaket der Bundesregierung.

Volt – wer ist das eigentlich? Alle Infos auf Seite 2

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  1. Jutta Kristen

    Frauen wie Friederike sind so unglaublich wichtig für unsere Gesellschaft. Empört, engagiert, empathisch. VOLT Energie für ein Europa. Bravo.

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