Junge steht in Müllberg
Müllberge wie diesen im Roma-Viertel „Fakulteta“ in Sofia gibt es in Bulgarien zuhauf.

So schlecht steht es um den Klimaschutz in Bulgarien

Unser Autor liebt seine Heimat Bulgarien – nicht aber, wie seine Landsleute mit der Umwelt umgehen. Das EU-Land ist beim Thema Umweltschutz leider noch sehr rückständig.

Von Hristo Lolovski, 22 Jahre

Knapp sieben Millionen Menschen leben in Bulgarien. Damit zählt der Balkanstaat zu den kleineren EU-Mitgliedern – von dem die Menschen aus den größeren Ländern nicht viel wissen.
Wer in meinem Heimatland schon einmal Urlaub gemacht hat, weiß vermutlich zumindest, dass Bulgarien nicht das reichste Land ist. Einzig an Müll mangelt es nicht. Im Jahr 2016 lag Bulgarien mit mehr als 16 Tonnen Müll pro Kopf auf dem vierten Platz in der Eurostat-Statistik über die gesamte Müllproduktion der EU-Länder. Zum Vergleich: Deutschland belegt Platz 11 mit dreimal weniger Müll pro Person.

Kein Umweltbewusstsein

Ein Pfandsystem nach deutschem Vorbild gibt es in Bulgarien nicht. Ein Mülltrennungssystem ebenfalls nicht. Ein Umweltbewusstsein auch nicht. Während Deutschland seit Jahren fleißig recycelt und immer mehr Menschen Kleider tauschen, regional einkaufen und auch sonst versuchen, grüner zu leben, gab es in dem kleinen Stadtviertel in Plovdiv, aus dem ich stamme, vor Jahren zumindest einmal den Versuch, Müll zu trennen. Meine Familie war begeistert. Dann habe ich eines Tages gesehen, wie der Müll entsorgt wurde: Ein Müllwagen kam und hat nach und nach den Inhalt aller vier Tonnen in seinen einen Bauch geschüttet.

Wer in meinem Heimatland schon einmal Urlaub gemacht hat, weiß vermutlich zumindest, dass Bulgarien nicht das reichste Land ist. Einzig an Müll mangelt es nicht.

Spreewild-Autor Hristo Lolovski, 22 Jahre

Stromanbieter, die Ökostrom zur privaten Nutzung verkaufen, haben wir ebenfalls nicht. In Deutschland bieten sogar manche Discounterketten Ökostrom. Nicht besonders „öko“ ist auch die Luft in den bulgarischen Städten, weil es für die Autos, von denen nach Angaben der bulgarischen Verkehrspolizei über zwei Drittel älter als 15 Jahre sind, keine Umweltzonen gibt. Besonders toxisch wird die Luft in den Städten, wenn es kalt wird und man die Holzheizung anzünden muss – die zwar eine angenehme Atmosphäre erzeugt, jedoch besonders umweltschädlich ist. So umweltschädlich, dass sich im Winter die virtuelle Karte, die über die Qualität der Luft informiert, über den größeren Städten komplett rot färbt. Allein in der Hauptstadt Sofia gibt es ungefähr 55.000 Haushalte, die mit Holz und Kohle heizen, wie die Hauptstadtregierung informiert.

Keine „Fridays for Future“

Seit dem ersten „Schulstreik für das Klima“ der schwedischen Klima-Aktivistin Greta Thunberg ist bereits mehr als ein Jahr vergangen. Über den Kampf einer einzelnen Person, der zu einer weltweiten Bewegung anwuchs, ist man in Bulgarien kaum informiert. Nur sporadisch berichten die Medien darüber. Auf den Fotos, die die wenigen bisher in Bulgarien stattgefundenen „Fridays for Future“-Demos dokumentieren, sind nicht einmal 50 Schüler zu sehen.
Dennoch bleibe ich voller Hoffnung, dass man auch in meiner Heimat bald mehr Wert darauf legt, die Welt zu erhalten. Wie soll ich auch anders? Wenn nicht, bedeutet das ja, dass der Klimawandel nicht zu stoppen sein wird. Denn Bulgarien ist leider nicht das einzige Land der Welt, das sich wenig für den Schutz der Umwelt interessiert.

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