Am Freitag fand in Irland ein Referendum statt, bei dem über die Abschaffung des Abtreibungsverbots im katholisch geprägten Land abgestimmt wurde. Eine große Mehrheit hat sich gegen das Verbot ausgesprochen.

Seit Monaten waren die Laternen in irischen Städten und Dörfern mit Plakaten behangen. Sprüche wie „A licence to kill?“ und „My body, my choice“ konkurrierten hier in Vorbereitung auf das Referendum über liberalere Abtreibungsrechte miteinander.

Am Freitag stimmte die irische Bevölkerung schließlich über den achten Verfassungszusatz ab, der Frauen bis dato das Recht nahm, über ihren eigenen Körper zu entscheiden. Ausgewanderte Staatsangehörige reisten nach Irland, um ihre Stimme abzugeben. Ein junges Paar verkürzte sogar seine Flitterwochen, um am Referendum teilzunehmen, wie die Irish Times berichteten.

Am Samstag wurden die Stimmen ausgezählt und das Ergebnis bekannt gemacht. Bis zuletzt war nicht klar, ob sich die „Pro Life“ (Nein zur Liberalisierung des Abtreibungsverbotes) – oder die „Pro Choice“-Kampagne (Ja zur Liberalisierung des Abtreibungsverbotes) durchsetzen würde. Das historische Ergebnis von gut 66 Prozent, die für „Ja“ stimmten, sorgte für emotionale Reaktionen – nicht nur innerhalb des Landes.

Die junge Generation hat sich durchgesetzt

Unter jungen Leuten hatten mehr als 80 Prozent „Ja“ gestimmt. Nicht zuletzt die zahlreichen Initiativen auf Social Media hatten hier auch für die notwendige Aufklärung gesorgt. Unter dem Hashtag #RepealThe8th – auf Deutsch „Setzt den achten (Verfassungszusatz) außer Kraft“ – hatten Personen des öffentlichen Lebens sich in Irland dazu bekannt, für ein liberales Abtreibungsrecht zu stimmen. Lediglich unter den über 65-Jährigen stimmte die Mehrheit dagegen.

Premierminister Leo Varadkar sagte nach Bekanntmachung der Wahlergebnisse – sicher auch mit Blick auf bisherige politische Fortschritte wie die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe – Irland, habe nun „seine letzten dunklen Schatten abgeworfen“. Es sei endlich ein modernes Land für moderne Menschen.

Ein neues Gesetz ist auf dem Weg

35 Jahre lang waren Schwangerschaftsabbrüche auf der katholisch geprägten Insel verfassungswidrig gewesen. 14 Jahre Freiheitsstrafe drohten jenen Frauen, die eine ungewollte Schwangerschaft beenden wollten. Weniger Abtreibungen hatte es dadurch dennoch nicht gegeben. Bislang hatten bis zu zehn Irinnen am Tag die Reise nach Großbritannien auf sich genommen, um dort einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen.

Mit der Entfernung des Verfassungszusatzes ist der Weg für ein neues Abtreibungsgesetz frei. Die irische Regierung plant, dass das Parlament bis Ende des Jahres ein neues Gesetz verabschiedet haben wird. Im Gespräch ist eine ähnliche Regelung, wie sie es auch in Deutschland gibt. Bis zur zwölften Schwangerschaftswoche sollen Abtreibungen dann straffrei bleiben, in Sonderfällen auch über diesen Zeitpunkt hinaus.

Beitragsbild: dpa