Antisemitismus gehört der Geschichte an? Leider nicht. Wie schwierig die Situation an Berliner Schulen ist, wurde gerade beim Fachsymposium „Antisemitismus in der Schule – ein beständiges Problem?“ diskutiert.

Monatelang wurde der 14-Jährige von seinen Mitschülern antisemitisch attackiert. Es wurde so schlimm, dass der jüdische Schüler im Frühjahr dieses Jahres seine Schule in Friedenau (Tempelhof-Schöneberg) verließ. In der Diskussion um Antisemitismus in Berlin ist der Fall Friedenau ein viel zitiertes und erschreckendes Beispiel. Auch beim diesjährigen Fachsymposium „Antisemitismus an der Schule – ein beständiges Problem?“, sprach man darüber. Das Symposium war von der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, kurz ZWST, organisiert worden und fand am vergangenen Dienstag und Mittwoch im Pfefferwerk in Prenzlauer Berg statt.

Die Veranstaltung war vorrangig für Lehrkräfte konzipiert, die in verschiedenen Workshops und Lesungen Handlungsstrategien und Empowerment-Konzepte zum Thema diskutieren konnten. Denn Antisemitismus ist, darüber war man sich schnell einig, tatsächlich ein beständiges Problem an deutschen Schulen. Vor allem mit Prävention sollte dem entgegengewirkt werden.

Viele Fälle werden nicht gemeldet

Bei der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Berlin wurden  zwischen 2015 und 2016 20 Fälle von antisemitischer Gewalt gemeldet. Trotz seiner generellen Brisanz und des lauten Medienechos, das er auslöste, ist der Fall Friedenau jedoch nicht Teil der Statistik – ein Paradebeispiel dafür, dass die Dunkelziffer von Angriffen dieser Art deutlich höher liegen muss. Auch verbale Gewaltakte mit antisemitischem Inhalt seien darunter nicht erfasst worden, bestätigte Marina Chernivsky, Leiterin des Kompetenzzentrums der ZWST. „Das Meldeverhalten ist jetzt erst in Entwicklung“, deklarierte sie, um zu zeigen, dass die Statistik nicht die Realität abbilde.

Antisemitismus ist Rassismus

Chernivsky hatte bei der Eröffnungsveranstaltung des Symposiums am Dienstag die thematische Hinführung übernommen. Dort beklagte sie, dass das Thema Antisemitismus fälschlicherweise oft als historisch überwunden angesehen werde. Tatsächlich ist es aber Teil unsere Alltags, ein Teil von Rassismus. Unter Jugendlichen seien „Provokationsangriffe mit positiven Bezügen zur NS-Zeit“, Vernichtungsfantasien oder der Gebrauch von ‚Du, Jude’ auch gegenüber Nichtjuden als Beleidigung immer noch gang und gäbe, bemerkte Chernivsky weiter.

Zuvor war unter anderem auch Aron Schuster, stellvertretender Direktor der ZWST zu Wort gekommen. Neben Beispielen aus seiner eigenen Schulzeit betonte er, dass es ihm und allen Teilnehmenden des Symposiums ein besonderes Anliegen sein sollte, nicht nur den Zeigefinger gegen Antisemitismus zu erheben, sondern auch Teil der Lösung zu sein.

 

Beitragsbild: dpa