Suchtpräventionsexperte Heinz Kaufmann fordert, das Rauchverbot an Schulen auf E-Zigaretten auszuweiten

Interview: Charlotte Falinski, 15 Jahre

Heinz Kaufmann ist Lehrer, Fachautor und Experte für Suchtprävention. Foto: Charlotte Falinski

Heinz Kaufmann ist Lehrer, Fachautor und Experte für Suchtprävention. Foto: Charlotte Falinski

Es gibt einen neuen Trend auf Berliner Schulhöfen. Immer mehr Schüler, die vermeintlich cool sein wollen, steigen von der Zigarette auf die elektrische Zigarette um. Der Vorteil: Die rund zehn Zentimeter langen Plastikglimmstängel werden anders als herkömmliche Zigaretten nicht explizit vom Rauchverbot auf dem Schulgelände abgedeckt – weil sie noch kaum verbreitet waren, als es erlassen wurde. Viele Lehrer trauen sich deshalb nicht, etwas dagegen zu unternehmen, wenn die Schüler mitten auf dem Schulhof an der E-Zigarette ziehen. Das bemängelt Heinz Kaufmann, Lehrer und Experte für Suchtprävention. Die Jugendredaktion hat mit ihm gesprochen.


Herr Kaufmann, viele Jugendliche und Befürworter von E-Zigaretten und E-Shishas rechtfertigen ihren Konsum mit dem Argument, sie seien viel gesünder als herkömmliche Zigaretten und enthielten auch kaum Nikotin.

Im direkten Vergleich sind E-Zigaretten nicht ganz so gefährlich. Allerdings muss man dieses „nicht ganz so“ ins Verhältnis setzen. E-Zigaretten und E-Shishas – im Prinzip handelt es sich fast um das Gleiche, für Raucher unterscheiden sich beide vor allem geschmacklich – enthalten sogenannte Liquide, die verdampfen und durch die Atemluft wieder in die Raumluft gelangen. Und die enthalten auch Stoffe, die giftig für den Körper sind.

Aber süchtig werden kann man von den E-Zigaretten nicht, oder? Schließlich heißt es immer, sie würden helfen, sich das Rauchen abzugewöhnen. 


Mag sein, dass man mit ihnen leichter von einer Sucht, der nach herkömmlichen Zigaretten, loskommt. Aber um den Preis einer neuen, der nach E-Zigaretten. Das heißt: Ob es nun richtige Zigaretten oder elektrische sind, der Suchtfaktor ist bei beiden ein Problem.

Ab wann beginnt die Sucht?


Das ist bei E-Zigaretten ähnlich wie bei allen Drogen: Sobald Jugendliche das Rauchen beziehungsweise Dampfen als Funktion für etwas sehen, etwa um Stress abzubauen oder um dazuzugehören, wird es ernst.

Wie könnte man das Pro­blem lösen, dass die E-Zigarette auf Schulhöfen auf dem Vormarsch ist?

Fest steht: Auf dem Schulhof haben die E-Zigaretten nichts zu suchen. Manche Schulen haben es geschafft, sie zu verbannen, obwohl es bislang noch kein offizielles Verbot gibt. Das geht, indem eine Schule ihre Hausordnung dahingehend verändert. Aber das funktioniert nicht überall, an vielen Schulen weiß man wohl auch nichts über das Problem oder hat keine Idee, wie man es bekämpfen kann. Eine berlinweite Regelung wie das Rauchverbot wäre daher wichtig.

Wie sieht für Sie eine gelungene Suchtprävention an Schulen aus?


Damit Jugendliche nicht erst das Bedürfnis nach E-Zigaretten oder anderen Suchtmitteln entwickeln, müssen Schulen dafür sorgen, dass zwischenmenschliche Beziehungen ohne Suchtprodukte funktionieren, indem etwa die Persönlichkeitsentwicklung in Richtung Achtsamkeit und Verantwortlichkeit gefördert wird. Und indem klare Regeln für ein gesundes Schulleben aufgestellt und beachtet werden. Rauch und Dampf gehören, außer im Chemieunterricht, nicht in die Schule. Vor allem nicht in die Lungen Jugendlicher.