Der 29-jährige Kofi Darkwa hat das außergewöhnliche Start-up gegründet und „Rapper* ohne Grenzen“ initiiert.

„Rapper ohne Grenzen“: Berliner Start-up bringt jungen Geflüchteten Sprache mit Musik bei

„Rapper* ohne Grenzen“ – so heißt das Pilotprojekt des sozialen Start-ups Kanzi. Berliner Rapper*innen gehen dafür in Willkommensklassen und lehren Deutsch mit ihrer eigenen Musik.

Von Selly Häußler, 28 Jahre

Ich dürfte jetzt nach Hause, wär’ der Unterricht vorbei. Aber wir lernen lieber Deutsch, bis nachmittags um drei“, rappt die Klasse im Chor. Der Berliner Rapper Jamal aka KonTa bringt ihnen gerade den Konjunktiv bei – auf seine Art. Statt zu büffeln, schauen die Schüler der Willkommensklasse Musik­videos, interpretieren den Sinn der Texte und bilden später gemeinsam Reime. Aus kleinen Boxen dröhnt der Bass. Es wird gelacht und geklatscht.

Jamal besucht die Willkommensklasse im Auftrag von Kofi Darkwa. Der hat vor fünf Monaten das soziale Start-up Kanzi gegründet, benannt nach einem Zwergschimpansen, der aufgrund seiner ausgeprägten englischen Sprachkenntnisse berühmt wurde. „Ich habe mir vier Sprachen selbst angeeignet, weil ich so begeis­tert von Rap war. Da dachte ich, es kann ja kein Zufall sein, dass das so gut funktioniert“, erzählt Kofi. Deshalb will er nun mithilfe von Rap Sprachbarrieren überwinden und Menschen verbinden. „Rapper ohne Grenzen“ ist das Pilotprojekt von Kanzi. Dabei geht Kofi zusammen mit Rappern in sogenannte Willkommensklassen, in denen Geflüchtete Deutsch lernen. Seit drei Monaten besucht er wöchentlich zwei Klassen und war auch einmal für einen Workshop in einem Asylbewerberheim.

Kofi (rechts) unterstützt Rapper Jamal (links) dabei den Schülern den Konjunktiv näher zu bringen.

Kanzi hat große Pläne für die Zukunft

Auch Jamal hat einen „Konjunktiv“-Song für den Workshop geschrieben und aufgenommen. „Was noch nicht gewesen ist, das könnte ja noch sein. Was sollte aus dem Menschen werden, gäb’ es keine Träumerei …“ Bei der Hook rappen alle mit.

„Im Laufe des nächs­ten Jahres soll es Onlinekurse geben“, erzählt Kofi weiter. Er ist sich sicher, dass beim Lernen mit der Lieblingsmusik die Motivation entsprechend steigt. Außerdem plant der 29-Jährige, seine Rap-Sprachkurse für Geld anzubieten. Irgendwann sollen die regulären Kurse und die Einnahmen von YouTube das soziale Projekt „Rapper ohne Grenzen“ tragen, so der Wunsch. Momentan befindet sich Kanzi aber noch im Aufbau. „Das Ziel ist jetzt, mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen, damit wir vielleicht eine größere Förderung bekommen. So könnten wir einer Schule und einem Rapper auch mal für ein Halbjahr zusagen.“

„Ich träume, so wie Martin Luther King, von einer Welt, in der wir alle glücklich sind“, rappt Jamal im Klassenzimmer seinen Song „Träume“. Anschließend sprechen alle darüber, wer Martin Luther King war. Jamal fragt die Jugendlichen in den Willkommensklassen – sie sind alle zwischen 15 und 18 Jahre alt – nach ihren Träumen. Und leitet so elegant das Thema Konjunktiv ein. „Mein Traum ist es, die deutsche Sprache zu haben“, sagt ein Mädchen. Vielleicht kann das Projekt diesen Traum verwirklichen, in Verbindung mit dem Deutschunterricht, den die Schüler die restliche Woche bekommen. Ihre Aufmerksamkeit ist Jamal und Kofi auf jeden Fall sicher.

Jamal rappt live und alle machen beim Refrain mit!
  • Ziel des Berliner Pilotprojekts „Rapper*innen ohne Grenzen“ ist es, geflüchteten Kindern und Jugendlichen über die Musikrichtung Rap Deutsch beizubringen.
  • Jungen Menschen soll durch das Medium Musik ein chancengleicher Zugang zum Spracherwerb, Bildungssystem und Arbeitsmarkt ermöglicht werden.
  • Das Projekt ist Teil des Start-ups Kanzi, für das Sprach- und Kulturwissenschaftler, Pädagogen, Mediendesigner, Projektentwickler und Promoter arbeiten.
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