Jörg Meuthen bei Wahlkampfveranstaltung
AfD-Parteivorsitzender Jörg Meuthen bei einer Wahlkampfveranstaltung.

Warum hat die AfD im Osten auch bei jungen Menschen so gut abgeschnitten?

Die AfD ist bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg am Sonntag zwar nicht wie befürchtet stärkste Kraft geworden. Dennoch war die Partei erfolgreich und konnte insbesondere viele junge Wähler für sich gewinnen. Woran liegt das?

Von Moritz Tripp, 24 Jahre

Die Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg zeichnen ein alarmierendes Bild: Nicht nur bei den älteren Generationen, sondern auch bei jungen Menschen kam die AfD erstaunlich gut an. So landeten die Rechtspopulisten in Brandenburg bei Wählern im Alter von 16 bis 24 Jahren mit 18 Prozent direkt hinter den Grünen (27 Prozent) auf dem zweiten Platz und damit weit vor allen restlichen Parteien. In Sachsen ist das Ergebnis noch deutlicher: Hier teilen sich Grüne und AfD mit jeweils 20 Prozent unter den 18- bis 24-Jährigen den ersten Platz und lassen damit ebenfalls alle anderen Parteien hinter sich.

Vom Bild des alten, weißen, DDR-frustrierten AfD-Wählers, der bisher als Erklärung für den Erfolg der Partei herhielt, müssen wir uns nun wohl endgültig verabschieden.

Doch wie kommt es, dass in Ostdeutschland so viele junge Menschen der rechtspopulistischen Partei ihre Stimme geben?

Bloß nicht CDU oder SPD

Zuerst einmal wegen der Unbeliebtheit der alten Volksparteien. Hauptsache nicht CDU oder SPD – das ist gerade nicht nur im Osten eine weitverbreitete Meinung unter jungen Menschen. Es fällt zurzeit sehr schwer, die Regierungsparteien ernst zu nehmen – davon profitierten zuletzt die Grünen sehr, da sie gerade jungen Menschen versprechen, sich wirklich für ihre Interessen einzusetzen. Doch während dann andernorts größtenteils grün gewählt wird, wurde in Sachsen und Brandenburg auch symbolisch die AfD gewählt – eine Art Ohrfeige an die alteingesessenen Regierungsparteien sozusagen. „Wir gegen die da oben“: Mit dieser Rhetorik versucht die AfD ja schon seit langem, unzufriedene Wähler hinter sich zu scharen.

Politische Einstellung entsteht vielerorts zuhause

In Ostdeutschland fühlen sich immer noch viele Menschen von der Politik nach der Wende im Stich gelassen – das machte sich die AfD im Wahlkampf mit Parolen wie „Wende 2.0“ und „Vollende die Wende“ zunutze. Natürlich spricht das erstmal Leute an, die die DDR und Wende überhaupt noch mitbekommen haben. Doch viele geben ihre Frustration zuhause an ihre Kinder weiter, also genau die junge Generation, die jetzt vermehrt AfD gewählt hat. Das familiäre Umfeld prägt nun mal viele Heranwachsende sehr, auch in Bezug auf politische Einstellung.

Perspektivlosigkeit auf dem Land

Brandenburg und Sachsen sind zu einem großen Teil von ländlichen Regionen geprägt. Hier herrscht mehr Armut als in den Städten, die Infrastruktur ist an vielen Orten schlecht, es mangelt an Arbeitsplätzen. Gerade für junge Leute ist diese Perspektivlosigkeit ein großes Problem: Was mache ich, wenn es nach der Schule keinen Job für mich gibt? Wie soll ich überhaupt irgendwo hinkommen, wenn der Bus nicht kommt? Wegziehen scheint hier oft die einzige Option zu sein, doch nicht jeder kann sich das leisten. Die AfD hat in den ländlichen Regionen große Versprechen gegeben, gerade die Situation von jungen Menschen zu verbessern. Viele sehen in der AfD hier eine Investition in ihre eigene Zukunft.

Am Ende wirken junge Menschen in Sachsen und Brandenburg gespaltener denn je: Mit den Grünen und der AfD als stärkste Kräfte in der Altersgruppe stehen sich zwei Parteien gegenüber, die sich in so gut wie jedem Punkt widersprechen. Es bleibt abzuwarten, ob die Landtagswahlen in Thüringen im Oktober ein ähnliches Ergebnis haben werden.

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