Müll am Strand
Echt heftig! Wenn wir so weiter machen, wird es in unseren Ozeanen bald mehr Müll als Fische geben.

Es tut sich was im Kampf gegen Plastikmüll

Vor einem Jahr haben wir diesen Artikel über den Kampf der EU gegen Plastikmüll veröffentlicht. Jetzt haben wir geschaut, was seitdem passiert ist.

Unterwegs einen Coffee to go, in der Mittagspause einen abgepackten Salat, im Supermarkt landen Brot, Käse und Milch im Einkaufswagen – alles verpackt in: Plastik. Damit sollte laut der EU-Kommission bald Schluss sein. Ende Mai 2018, also vor rund einem Jahr, hat sie ihre Strategie gegen Plastikmüll in den Meeren vorgestellt und ein Verbot von Trinkhalmen, Einweggeschirr und anderen Kunststoffprodukten angekündigt, für die mehr nachhaltige Alternativen eingesetzt werden sollen.

Seit dem Jahreswechsel gilt nun das neue Verpackungsgesetz, das Verpackungsmüll vermeiden und für mehr Recycling sorgen soll. Es verpflichtet alle Unternehmen, die Verpackungen herstellen oder verkaufen, sich zu registrieren und genaue Angaben zu den Verpackungsmengen machen, die sie herstellen oder in Umlauf bringen. Für diese Mengen müssen sie eine Lizenzgebühr zahlen, die wiederum das Recycling finanziert. Umweltfreundliche Verpackungen sollen dabei mit niedrigeren Gebühren bevorzugt werden.

Neues Verpackungsgesetz, weniger Einwegplastik in den Geschäften

Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft verursacht jeder Deutsche 37 Kilogramm Plastikmüll im Jahr, der sich durch das neue Gesetz nun hoffentlich verringern wird. Trotzdem landen immer noch tonnenweise Abfälle im Meer oder werden ins Ausland exportiert. Die Schäden sind immens. Wenn weiterhin so viel Müll in unsere Ozeane gelangt schwimmt in unseren Ozeanen bald mehr Plastik als Fische. Außerdem verenden jährlich Millionen Meerestiere und Vögel daran. Schädliche Langzeitfolgen für den Menschen – die Deutschen essen im Jahr rund 14 Kilogramm Fisch pro Kopf – sind nicht ausgeschlossen.

Viele Unternehmen sind bereits eingestiegen

Seit die EU-Kommission ihre Pläne publik gemacht hat, haben zahlreiche Unternehmen reagiert: Starbucks kündigte an, ab 2020 auf Einweg-Strohhalme zu verzichten. Adidas plant, mehr Recycling-Müll bei der Produktion zu verwenden, und bringt 2019 den „Futurecraft“ auf den Markt: einen Schuh, der nur aus einem einzigen Material besteht und nach Angaben des Unternehmens gleichwertig zu einem neuen Schuh recycelt werden kann. Die ersten Exemplare wurden bereits verschickt, spätestens in zwei Jahren soll die Massenfertigung beginnen. Der Lebensmittelhändler Rewe kündigte im vergangenen Sommer an, bis Ende des Jahres 2018 Plastik-Trinkhalme komplett aus dem Sortiment zu streichen. Die Restbestände werden zwar noch verkauft, aber nun bietet die Supermarktkette Mehrweg-Trinkhalme aus Edelstahl an. „Etwas später“ soll es auch eine Strohhalme aus FSC-zertifiziertem Papier geben.

Auch Lidl verkündete im Februar des vergangenen Jahres, den Plastikeinsatz um 20 Prozent bis zum Jahr 2025 zu reduzieren. Bis Ende 2019 sollen Artikel wie Trinkhalme, Einwegbecher und -gläser, Teller, Besteck und Wattestäbchen mit Plastikschaft komplett durch Produkte aus alternativen und recycelbaren Materialien ersetzt werden. Des Weiteren strebt Lidl die Überarbeitung von Lebensmittelverpackungen an. Und auch ALDI, Coca Cola und Nestle versprachen, mehr umweltfreundlichere Materialien zu verwenden.

Immer noch keine europäische Plastiksteuer

Die EU-Kommission diskutierte im Mai 2018 über eine Plastiksteuer, welche vorschreiben soll, dass jedes Mitgliedsland pro Kilogramm Plastik, das nicht recycelt wird, 80 Cent an die EU zahlen soll. Das wäre ein Anreiz, Plastikabfall zu reduzieren, gleichzeitig würden Milliarden Euro in den EU-Haushalt fließen. Die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hatte sich dagegen ausgesprochen, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnte den Plan ab. Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck befürwortete den Vorschlag hingegen und bezeichnete Plastik als „die Seuche des 21. Jahrhunderts“.

Bis heute ist eine solche Steuer allerdings nicht beschlossen worden. Stattdessen hat der Ministerrat eine EU-Richtlinie gegen die Verschmutzung durch Einwegplastik angenommen. Einweggeschirr und -besteck, Trinkhalme und Wattestäbchen aus Plastik werden demnach bis Mitte 2021 vom Markt verschwinden, PET-Flaschen müssen bis 2025 zu einem Viertel aus recyceltem Material bestehen.

Von Viola Blomberg (Aktualisierung von Annalena Schwobe)

 

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