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Nicht nur in Berlin und Brandenburg lagen Die Grünen bei vielen Jugendlichen ganz weit vorn.

Junge Berliner sehen grüner

Die Minderjährigen haben bei der U18-Wahl gezeigt, wie das EU-Parlament aussähe, wenn sie wählen dürften. Das Ergebnis ist eindeutig.

Wenn es nach den Berliner Jugendlichen gehen würde, dann hätten Die Grünen im Europaparlament nun das Zepter in der Hand. Das Ergebnis der U18-Wahl am 17. Mai ist mit 30,9 Prozent der Stimmen ein deutlicher Sieg für die Partei. Auch die SPD (16,5 Prozent) und Die Linke (11,9 Prozent) konnten viele junge Berliner überzeugen. Die CDU lag mit etwas weniger als zehn Prozent dahinter. FDP und AfD bekamen rund fünf beziehungsweise vier Prozent der Stimmen.

Großer Sprung für die AfD in Brandenburg

Ganz anders in Brandenburg: Zwar lagen auch hier Die Grünen mit 15,5 Prozent auf Platz eins, dafür erreichte die SPD mit 12,3 Prozent lediglich den dritten Platz. Den größten Sprung machte eindeutig die AfD: Nachdem sie bei den ersten U18-Europawahlen 2014 nur 3,8 Prozent erlangen konnte, machte sie in diesem Jahr mit 13,9 Prozent den zweiten Platz.

Die Ergebnisse sind Ausdruck der politischen Stimmung bei all denjenigen, die bei der Europawahl am 26. Mai nicht wählen durften, da sie noch minderjährig sind. Denn das ist es, worum es bei der U18-Wahl geht: Jeder unter 18-Jährige darf sich beteiligen; Herkunft, Religion oder Sprache spielen keine Rolle. Vor allem Kindern, die vorher mit Politik eher nichts zu tun hatten, soll so die Möglichkeit geboten werden, aktiv Fragen zu stellen und sich selbstbestimmt politisch auszudrücken. Insgesamt gaben 28.705 Kinder und Jugendliche in Berlin ihre Stimme ab.

„Umweltthemen sind für junge Leute viel wichtiger als für ältere.“

Klaus Hurrelmann, Jugendforscher

Jugendforscher Klaus Hurrelmann äußerte sich auf Anfrage von Spreewild wie folgt zu den Ergebnissen: „Die Grünen stehen bei den jungen Leuten ab zwölf Jahren nach allen Umfragen schon seit mehr als 20 Jahren an der Spitze. Das liegt natürlich vor allem an der Umweltpolitik. Umweltthemen sind für junge Leute viel wichtiger als für ältere, auch das zeigen Studien schon seit vielen Jahren“, erklärt der Sozialwissenschaftler. „Aber auch die moderne Orientierung der Partei an den Rollenbildern von Männern und Frauen beeindruckt die jungen Leute. Die anderen Parteien fallen dagegen ab und erscheinen den jungen Leuten unmodern.“ Bemerkenswert sei, dass die AfD schwach abschneide. Jugendliche halten laut Hurrelmann wenig von „ganz radikalen und intoleranten Positionen“.

Dass die Tierschutzpartei bundesweit wie auch in Berlin auf rund fünf Prozent der Stimmen kommt, erklärt er so: „Die Partei drückt vor allem bei jungen Frauen das Gefühl aus, etwas für den Erhalt des Lebens zu tun.“

von Annalena Schwobe, 20 Jahre

Kategorien Politik

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