Schüler demonstrieren und halten Schilder hoch

Fridays for Future: „Wir sind die ganze Welt.“

Mehr als nur Greta: Hinter den Schulstreiks für das Klima stehen viele Jugendliche. In Berlin ist Tommy einer von ihnen.

Mit ruhigem Blick sitzt er da auf der Bank, auf einem Schulhof in Pankow. Ein kleiner Teil der Bewegung, die gerade medial die Runde macht. Mit entschlossenem Blick sagt er: „Wir lassen uns nicht ohne Widerstand unsere Zukunft ruinieren!“ Vögel singen im Hintergrund, als würden sie seine Worte bejubeln.

Tommy, der seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will, ist seit drei Monaten Mitorganisator der Schülerproteste unter dem Motto „Fridays for Future“ in Berlin. Er will sich engagieren, aber Anfeindungen und Drohungen entgehen, wie sie Greta Thunberg erlebt. Der Aktivismus der jungen Schwedin scheint ihn dennoch zu beeindrucken. Sie ist die eine Person, die alles anstieß. Dennoch findet Tommy, der Fokus solle sich auf die Worte und Taten der Bewegung richten und nicht auf Einzelpersonen. Der Hass, der Greta trifft, ist für den 17-Jährigen ein Aufschrei von ängstlichen Ahnungslosen.

Die Lehrer sind verständnisvoll

Auch über die Kritik von CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak, Greta verliere kein Wort zu Arbeitsplätzen, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit, die Forderungen der Bewegung wären mithin utopisch, kann der Abiturient nur lachen. „Das ist so das Standardargument, das immer kommt“, schmunzelt er. Natürlich würden durch einen Kohleausstieg viele Arbeitsplätze verschwinden. Allerdings würden genauso viele neue geschaffen werden, ist er sich sicher: Windkraftwerke müssten gewartet werden. Solaranlagen müsse jemand anbringen. Wasserkraftwerke bedürften der Beaufsichtigung.


Schulstreiks für das Klima

„Fridays for Future“ ist eine unabhängige Bewegung von Schüler_innen und Student_innen, die jeden Freitag für eine konsequentere Klimapolitik demonstrieren.

Vorbild der Bewegung ist Greta Thunberg, 16. Sie setzt sich aus Protest seit August 2018 freitags vor das schwedische Parlamentsgebäude in Stockholm.

In Deutschland nahmen die Proteste unter anderem wegen des Engagements der Studentin Luisa Neubauer und des Schülers Jakob Blasel Fahrt auf.


Um den Protest von Schülerinnen, Schülern und Studierenden aus ganz Berlin voranzutreiben, organisiert Tommy in seiner Freizeit Redner, Verpflegung und Bildungsangebote an Schulen. Und geht freitags nicht zum Unterricht. Sagt seine eigene Schule etwas dazu? Keinen Ton. Die Lehrer, bei denen er seine Stunden absitzen müsste, ließen ihn streiken, sagt er. Für ihr Verständnis sei er ihnen sehr dankbar.

Eine gute Fee ermöglicht dir die uneingeschränkte Möglichkeit, einen wichtigen Meilenstein in Deutschlands Klimapolitik zu setzen – was tust du, Tommy? „Agrarsubventionen an Bio-Bauern, Plas-tikreduktion, Ausbau von erneuerbaren Energien und hohe Steuern für umweltbelastende Industrieproduktionen“, verkündet er ohne Zögern. „Vor allem aber möchte ich die Schuldigen zur Rechenschaft ziehen.“ Alle Autohändler, die zu hohe Abgaswerte unter den Tisch kehren. Alle Politikerinnen und Politiker, die ihre Wahlversprechen nicht halten und nur lustlos agieren.

Tommy will kein Influencer werden

„Wer tut was?“, fragt Tommy – rhetorisch. Alibi-Bekenntnisse zum Klimaschutz hängen ihm zum Hals raus. Die Verbindung zwischen Wirtschaft und Politik würde der Schüler am liebsten auflösen, Wirtschaftslobbyismus bekämpfen. Vor allem aber möchte er gerne der Gesellschaft einen Spiegel vors Antlitz halten und allen zeigen, wie sie sich grün verhalten können.

Müsste er dafür nicht zum Influencer werden? An einer großen Social-Media-Präsenz habe er wenig Interesse, wolle nicht neben Luisa Neubauer zum deutschen Gesicht von „Fridays for Future“ werden. Bei ihr sieht er auch die Schattenseite von Fernsehauftritten: Luisa zieht derzeit viel Kritik und Beschimpfungen auf sich. Dabei habe die Bewegung viel mehr Gesichter, sagt Tommy: „Wir sind Greta, wir sind Luisa, wir sind Jakob. Wir sind aber auch Hassan, Amy, Hui, John und Malaika. Wir sind die ganze Welt.“ Ob das stimmt, wird sich am 15. März zeigen. Da soll nämlich ein globaler Schulstreik für mehr Klimaschutz stattfinden.

Kategorien Politik Welt

Immer auf dem Sprung zu neuen Themengebieten möchte ich die Gegebenheiten der Welt aufdecken. Was ich da machen kann? Schreiben! Schreiben, über den Sinn des Lebens. Schreiben, über UN-Konventionen und Kinderschokolade. Schreiben, über die täglichen Erfahrungen eines ehemaligen Mitgliedes von Scientology. Mit großer Leidenschaft zur Recherche versuche ich die Welt besser zu verstehen und möchte alle Leser daran teilhaben lassen. Spreewild nutze ich dabei gerne um Themen anzusprechen, die im gesellschaftlichen Salon absichtlich vergessen bleiben. Das Unausgesprochene aussprechen. Die Tatsachen auf den Tisch packen. Das ist für mich Journalismus.