Es hat seine Gründe, dass nicht jeder wählen darf.

18. Das Alter, ab dem die Deutschen so einiges dürfen – besonders wichtig: wählen –, sei willkürlich gewählt, sagen einige. Sie finden, dass unser Wahlrecht zu Unrecht eine massive Zahl an Wählern ausgrenzt. Die radikale Idee, die aus diesem Gedanken folgt, ist das Wahlrecht ab null. Das sagte kürzlich Serina Taylor, 17 Jahre alt und Mitglied im Kinder- und Jugendbeirat des Deutschen Kinderhilfswerks, im Interview mit radioeins („Nur für Erwachsene “).

Sie argumentiert, die Erwachsenen seien nicht zwangsläufig reif; man sehe ja an den vergangen Jahren, dass sich auch die über Achtzehnjährigen auf dem Wahlzettel durchaus „verkreuzen“ könnten, während Jüngere sich mehr mit Politik auseinandersetzten als gemeinhin angenommen. Weshalb also sollten Kinder nicht wählen dürfen?, fragt Taylor. Und zwar bitteschön selbst, nicht vertreten durch die Eltern.

Nicht vergessen: Kleinkinder können nicht mal lesen

Geht man dieser Idee auf den Grund, so stößt man bald gegen Wände. Wie soll ein Kind wählen, das noch nicht reden kann, geschweige denn in der Lage ist, zu lesen und zu schreiben? Das Einschätzungsvermögen der politischen Tragweite des Kreuzchens sei an dieser Stelle mal dahingestellt (siehe Symbolbild).

Dazu kommt, so meine Vermutung, dass Kinder zunächst kaum eine andere Meinung als ihre Bezugspersonen haben – es sei denn, ihnen wird jedes Parteiprogramm heruntergebrochen und ausführlich erklärt. Das kann Schule nicht leisten. Und Eltern tun es nicht. Dass diese ihre Kinder so früh wie möglich politisch feinfühlig erziehen sollten, da gebe ich Serina Taylor Recht. Aber Politisierung braucht eben auch Zeit, nicht jeder will sich schon in jungen Jahren mit Haushaltsdebatten und Mietpreisbremsen auseinandersetzen.

Deshalb ist es nach wie vor richtig, eine gewisse „Schadensbegrenzung für Unreflektiertheit“ sicherzustellen, indem das Wahlrecht mit einem Mindestalter verknüpft ist. Es muss ja nicht bei 18 bleiben.

Beitragsbild: Tong Nguyen van via Unsplash