„Eine Pille, die vor HIV schützt? Das muss Sünde sein!“ So scheinen jedenfalls viele Prep-Kritiker zu denken. Was für eine unsinnige Argumentation!

Von Rouven Kühbauch, 28 Jahre

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) möchte die Präexpositionsprophylaxe zur Kassenleistung machen – und Kritiker schreien auf. Warum eigentlich? Das Medikament, kurz „Prep“ genannt, hat schließlich nur wenige Nebenwirkungen und kann recht zuverlässig vor HIV schützen. Klingt doch nach einem Traum. Der Kern der Kritik: Der Einsatz von Prep könnte dafür sorgen, dass weniger Menschen Kondome benutzen und dass dadurch andere Infektionen stärker verbreitet werden.

Das sind keine guten Argumente, denn erstens ist die Kondombenutzung schon jetzt rückläufig. Zweitens lässt sich die Übertragung einiger sexuell übertragbarer Infektionen (STIs) mit Kondomen gar nicht verhindern. Die eigentliche Angst der Kritiker hat wohl eher mit moralischen Vorstellungen zu tun: Sollen jetzt alle, die häufig wechselnde Sexualpartner haben, die gleichgeschlechtlichen Sex haben, die für Sex bezahlen oder sich für Sex bezahlen lassen, also alle Risikogruppen, für die Prep interessant sein dürfte, einen Freifahrtschein für ihr vermeintlich lasterhaftes Sexualleben bekommen?

In Deutschland ist die Zahl der Neuinfektionen seit 2006 nicht gesunken – Prep würde helfen

Während Prep in anderen Ländern die Zahl der Neuinfektionen verringern konnte, hat sich in Deutschland laut Deutscher Aids-Hilfe seit 2006 nichts mehr bewegt. Das Mittel ist hierzulande zwar zugelassen, es kostet aber etwa 50 Euro im Monat. Besserverdiener können sich also ihren Schutz erkaufen, die Allgemeinheit geht leer aus. Und gerade Studenten und Geringverdiener gucken in die Röhre.

Es wäre daher gut, wenn Prep zur Kassenleistung würde. Nur dabei belassen sollte Jens Spahn es zwecks Schutz vor STIs nicht – zumal Berliner Jugendliche erschreckend unaufgeklärt sind. Wie wäre es zum Beispiel mit Kondomgutscheinen vom Arzt?

 

Beitragsbild: NIAID (CC BY 2.0)