Am vergangenen Dienstag stand SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz – wie Bundeskanzlerin Angela Merkel zwei Mal zuvor –  YouTubern Rede und Antwort. Eine gute Gelegenheit,  junge Wähler zu gewinnen – wenn man sie denn nutzt.

Von Laura Krüger, 22 Jahre

Im TV-Duell gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Martin Schulz nicht unbedingt geglänzt. Am vergangenen Dienstag bekam der SPD-Spitzenkandidat nun die Chance, sich – wie Merkel bereits zwei Mal zuvor – vor jungen YouTubern zu beweisen. Eine gute Gelegenheit, um junge Wähler von sich zu überzeugen – wenn man sie denn nutzt.

Wie seine Kontrahentin stellte sich auch Martin Schulz den Fragen des Journalisten und Historikers Mirko Drotschmann alias MrWissen2Go sowie jenen von Lisa Sophie alias ItsColeslaw. Beauty-YouTuberin Nihan und Let’sPlayer MarcelScorpion komplettierten das Moderatoren-Quartett.

Den Anfang machte die 26-jährige Nihan. Sie befragte ihn zum Thema Integration. Der entspannt wirkende Schulz plädierte für mehr Unterstützung, um Flüchtlingen und Migranten ihr Leben in Deutschland zu erleichtern, und rief zu mehr Zusammenhalt und Aufklärung auf. Offen gab Schulz zu, dass er kein Freund des türkischen Präsidenten Erdogan sei und ihn die Fremdenfeindlichkeit der AfD auf die Barrikaden bringe. Schon hier hatte Schulz mehr Persönlichkeit gezeigt als Merkel während ihres gesamten Interviews. Ihm gelang es, verständliche Antworten zu liefern, indem er immer wieder von ausländischen Nachbarn und Freunden berichtete, die zufällig alle Probleme in Bezug auf Nihans Fragen haben.

MrWissen2Go, der bereits im Merkel-Interview sein journalistisches Talent bewiesen hatte, konfrontierte Schulz erst einmal mit einem Realitätscheck: „Was kostet denn der Liter Milch bei Aldi?“ Überraschend genau kennt der SPD-Spitzenkandidat nicht nur den Preis für Milch, sondern auch für Butter. Es folgte eine kurze Geschichte über seine tragischen Erfahrungen mit Milchbauern, mit der er uns beweisen will, wie wichtig ihm die Belange des kleinen Mannes sind.

Schulz bantwortet Fragen mit Charme – und Kalkül

Nahbar zeigte er sich auch im Bildungsinterview mit Lisa Sophie alias ItsColeslaw. Schulz sprach über die Krisen in seinem Leben, nachdem er von der Schule geflogen war, und rief junge Menschen dazu auf, ungewöhnliche Lebenswege zu gehen, ohne sein Leben wegzuwerfen. Wenngleich es natürlich Kalkül ist, sich gewollt persönlich zu zeigen, punktete Schulz dennoch durch Sympathie. Und wie wir wissen, ist es nicht nur wichtig, was man sagt, sondern auch, wie man es sagt.

Lediglich Let’sPlayer MarcelScorpion konnte nicht überzeugen. Während seiner 15 Minuten präsentierte er unnötigerweise Zahlen aus Studien, deren Quellen er nicht benennen konnte. Aber vorbereitet hätte er sich, da könne sich Schulz sicher sein. Nebenbei machte er noch Werbung für sein neues Buch und brachte Schulz mit seinen Fragen immer wieder dazu, dieselben Antworten zu geben. Genauso, wie nicht jeder Politiker Kanzler werden kann, wird wohl auch nicht aus jedem YouTuber ein Journalist.