Die Europa-
Frage

In den Wochen vor der Europawahl am 25. Mai beantworten Mitglieder der Bundesvorstände der großen Parteien den Fragebogen der Jugendredaktion zur EU. Heute: Johanna Uekermann, von den Jungsozialisten: 



 

Johanna Uekermann, Bundesvorsitzende der Jusos Foto: Tobias Pietsch
Johanna Uekermann, Bundesvorsitzende der Jusos
Foto: Tobias Pietsch

Inwieweit betrifft europäische Politik auch Jugendliche?

 

Junge Leute reisen viel und verbringen einen Teil ihrer Ausbildung oder ihres Studiums im Ausland. Sie kennen ein Europa ohne Grenzen, den Euro als gemeinsames Zahlungsmittel, Austauschprogramme – all das hat die EU möglich gemacht. Viele EU-Standards erleichtern den Alltag. Das betrifft den Schutz beim Einkauf im Internet, das Recht überall in Europa eine Beschäftigung aufzunehmen und das baldige Ende der hohen Extragebühren, die beim Surfen und Telefonieren im EU-Ausland anfallen. Auch das aktuelle Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Vorratsdatenspeicherung zeigt, wie europäische Politik uns betrifft. Die Richter urteilten, dass die Richtlinie zur Speicherung unserer Daten nicht mit EU-Recht vereinbar und ein schwerwiegender Eingriff in unsere Grundrechte ist. Das Urteil stärkt die Bürgerrechte in Europa.

 



Ohne allgemein die gute Zusammenarbeit aller Mitgliedsstaaten zu loben – was läuft richtig in der Politik der Europäischen Union?

 

Das Zusammenleben in Europa kennt keine Grenzen mehr, daher sind grenzüberschreitende politische Lösungen wichtig. Ob europäische Zusammenarbeit funktioniert, steht nicht mehr im Mittelpunkt. Vielmehr geht es jetzt darum, wie Europa gestaltet wird, dass Ziele wie ein solidarisches, offenes, gerechtes Europa an erster Stelle stehen. Die Europäische Union ist für mich die Chance, dass alle Bürgerinnen und Bürger auf dem ganzen Kontinent ihre jeweiligen Lebensentwürfe verwirklichen können.

 



Ohne über die Gurkennorm zu meckern – was läuft nicht richtig in der Politik der Europäischen Union?

 

Konservative Politiker haben Europa kaputt gespart. Die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch wie nie. In Ländern wie Spanien fehlt für mehr als die Hälfte der jungen Menschen eine Zukunftsperspektive. Viele sind super ausgebildet, haben mehrere Abschlüsse, aber finden keinen Job. Das muss sich ändern. Und mich ärgert, wie viele Großkonzerne es umgehen, in der EU Steuern zu zahlen oder sich Länder mit geringen Steuersätzen suchen. Unternehmen sollen verpflichtet werden, ihre Steuern dort zu zahlen, wo sie ihren Gewinn erwirtschaften. Und wir brauchen in der EU dringend einheitliche Mindeststeuersätze für Unternehmen.

 

Gab es für dich ein persönliches „europäisches Erlebnis“, das deine Begeisterung für den europäischen Gedanken entfacht hat? 


 

Eines der eindrücklichsten Erlebnisse war für mich die Euroeinführung. Im Skiurlaub in Österreich plötzlich zu bezahlen, ohne Geld zu wechseln. Coole Sache, dachte ich als Schülerin. Später wurde mir klar, dass weit mehr an der europäischen Integration hängt. Ich bin Europäerin aus Überzeugung. Deshalb möchte ich, dass Europa wieder Perspektiven für junge Menschen eröffnet.

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Kategorien Politik

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