Miriam Kniep findet, dass Jungs und Mädchen gemeinsam Sport machen sollten. Foto: Privat

Miriam Kniep findet, dass Jungs und Mädchen gemeinsam Sport machen sollten. Foto: Privat

Von Miriam Kniep, 23 Jahre

 

In Berlin dürfen Jungen und Mädchen zeitweise geschlechtergetrennt unterrichtet werden. Das entschied das Berliner Verwaltungsgericht, indem es die Klage zweier Eltern zurückwies, die durch die Geschlechtertrennung im Sportunterricht eine „nicht gerechtfertigte Diskriminierung“ ihrer Töchter sahen.

Das Gericht argumentiert, dass ein geschlechtergetrennter Unterricht zeitweise möglich sei, sofern diese Trennung als „pädagogisch sinnvoll“ beurteilt werde und „der zielgerichteten Förderung“ diene. Innerhalb der Pädagogik gibt es jedoch keine unangefochtene Lehrauffassung über geschlechtergetrennten Unterricht, es gibt Befürworter und Gegner. Fakt ist aber, dass durch diese Trennung, ebenso wie durch das Urteil selbst, ein Signal gegen die Gleichbehandlung der Geschlechter ausgesendet wird. 
Natürlich soll nicht bestritten werden, dass Jungen und Mädchen bedingt durch ihre körperliche Entwicklung im Sport unterschiedliche Leistungen erbringen. Aber daraus zu schlussfolgern, es sei pädagogisch sinnvoll, Mädchen in so genannten „Mädchensportarten“ wie Gymnastik, Tanz oder Turnen zu unterrichten, während Jungen sich im Fußball oder beim Speerwerfen üben, ist falsch. Vielmehr wird dadurch eine Verfestigung von Geschlechterklischees begünstigt, die sich auch außerhalb der Sporthalle festsetzen kann.

So berichtet Silke Tober, eine der klagenden Mütter, dass ihre Tochter nicht nur im Unterricht vom Fußballspielen ausgeschlossen wurde, sondern anschließend auch auf dem Schulhof als Mitspielerin von den Jungen nicht mehr akzeptiert wurde. Dabei hat die deutsche Frauenfußballnationalmannschaft erst gerade durch den Sieg der Europameisterschaft bewiesen, dass auch Frauen gut Fußball spielen können. Und Fabian Hambüchen, Weltmeister am Reck 2007, ist ebenfalls ein herausragender Bodenturner und zeigt regelmäßig, dass Kunstturnen durchaus Männersache sein kann.

Die Schule wiederum sollte da­rum bemüht sein, jedem Jungen und Mädchen gute Bedingungen für die Entfaltung seiner oder ihrer Interessen zu bieten. Nachdem man sich bereits vor Jahrzehnten bis auf wenige Ausnahmen von reinen Mädchen- oder Jungenschulen verabschiedet hat, weil diese Schulmodelle nicht mehr zeitgemäß waren, sollte auch im Sportunterricht die Geschlechtertrennung überwunden werden. Denn statt weiter in Männersportarten und Frauensportarten zu unterteilen, haben Schulen eigentlich die Aufgabe, mit diesen Klischees aufzuräumen, damit Interesse und Talent entscheiden, welche Sportart die Einzelnen bevorzugen.

Seid ihr für oder gegen geschlechtergetrennten Sportunterricht? Diskutiert mit uns!