Höhere 
Steuern für Millionäre

Josephine Valeske wünscht sich die in Frankreich eingeführte Reichensteuer auch für Deutschland. Foto: Privat

Von Josephine Valeske, 16 Jahre


Ausgerechnet Karl Lagerfeld beschwerte sich über die französische Reichensteuer – ein Mann also, der über ein geschätztes Privatvermögen von über 300 Millionen Euro verfügt und somit einer der reichsten Deutschen überhaupt ist. Bürger wie er, die mehr als eine Million Euro im Jahr verdienen, werden in Frankreich zukünftig drei Viertel ihres Einkommens abgeben müssen – so entschied das französische Parlament in der letzten Woche und setzte eines von Präsident Hollandes Wahlversprechen um.


75 Prozent, das klingt viel, lässt aber pro verdienter – oder besser: erhaltener – Million 250 000 Euro im Jahr, also mehr als 20 000 Euro im Monat, zum Leben übrig. Um diese Summe etwas anschaulicher darzustellen: Das sind immer noch mehr als 600 Euro, die pro Tag ausge-
geben werden können, wobei  andere Abgaben natürlich noch nicht berücksichtigt sind. Das ist mehr, als 
ein Hartz-IV-Empfänger zur Verfügung hat – im Monat.


Wer sich die Zahlen durch den Kopf gehen lässt, sollte erstens an Karl Lagerfeld zweifeln und sich außerdem fragen, warum die Reichensteuer nicht längst auch in anderen Ländern Realität geworden ist – und hoffen, dass sie nicht, wie von Frankreichs Präsident Hollande versprochen, auf zwei Jahre befristet bleiben wird.


In Deutschland liegt der Spitzensteuersatz momentan bei 42 Prozent, er gilt bei Einkommen ab etwa 53 000 Euro im Jahr. Das bedeutet, dass mehrfache Millionäre prozentual nicht stärker zur Kasse gebeten werden als beispielsweise ein durchschnittlicher Abteilungsleiter eines Konzerns. Dabei bergen die Einkommen der Millionäre ein enormes Potenzial an Steuern und würden dem Staat sicher größere Einnahmen bescheren, als es beispielsweise die vor einigen Jahren erhöhte Besteuerung des Schulessens tat. Aber: Bloß nicht gegen Lobbyinteressen handeln.


Frankreichs Reichensteuer jedenfalls haftet etwas Symbolträchtiges an, bringt sie doch „nur“ 210 Millionen in die Staatskasse. Man kann nur hoffen, dass andere Länder sich Frankreich in dieser Hinsicht zum Vorbild machen – und nicht auf Karl Lagerfeld hören.


Sollen Reiche auch in Deutschland mehr Steuern zahlen? Diskutiert mit!

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Kategorien Politik

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